In Korea, wo der kalte Krieg am kältesten ist, soll es wärmer werden. Der 38. Breitengrad, die unüberwindlichste Grenze der Welt, an der 180 000 Nordkoreaner 250 000 Südkoreanern und 50 000 Amerikanern gegenüberstehen, soll durchlässiger werden.

Zwei Monate lang haben Nord- und Südkorea von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, miteinander verhandelt. Das Ergebnis ist eine politische Sensation: Maßnahmen zur Wiedervereinigung beider Staaten sollen eingeleitet werden; Nord und Süd wollen bewaffnete Provokationen und Diffamierungen unterlassen. Die Bedingung Pyongyangs – Abzug der Amerikaner vor Beginn der Verhandlungen – ist offensichtlich fallengelassen worden. Unter dem Eindruck der China- und Rußlandpolitik Nixons und aus Furcht vor einer Isolierung hat Kim Il Sung die Flucht nach vorn angetreten. Daß sein Bruder jetzt mit dem südkoreanischen Geheimdienstchef verhandelte, während Südkoreas Präsident Park Chung Hee noch zu Beginn des Jahres verzweifelt versucht hatte, die Kriegsfurcht in seinem Lande zu schüren, läßt vermuten, daß sich auch in Seoul die Gewichte verschoben haben.

Südkorea hat nun eingesehen, daß die Amerikaner kein neues Vietnam wollen. 22 Jahre nach Ausbruch des Korea-Krieges, muß auch hier Nixons Devise akzeptiert werden: Kooperation statt Konfrontation. Vy.