• Vietnam

Die Pariser Vietnam-Gespräche werden am 13. Juli wieder aufgenommen. In seiner ersten Fernseh-Pressekonferenz seit 13 Monaten gab Präsident Nixon am Freitag vergangener Woche bekannt, daß er sein Angebot – Abzug aller Streitkräfte vier Monate nach einer Waffenruhe und Rückkehr der Kriegsgefangenen – aufrechterhalte, aber nicht daran denke, Saigon eine Koalitionsregierung aufzwingen zu lassen. (Siehe auch Dokumente der ZEIT.) Der Präsident ließ keinen Zweifel, daß sich nach seiner Auffassung durch die Bombardierung Nordvietnams und die Vermutung seiner Häfen die militärische Lage zugunsten der Alliierten entscheidend verbessert hat.

Militärisch konnten die Südvietnamesen in ihrer Mitte vergangener Woche angelaufenen Zangenaktion auf die seit Wochenbesetzte Provinzhauptstadt Quang Tri beträchtliche Geländegewinne erzielen, an denen allerdings die US-Luftwaffe maßgeblich beteiligt war. Nordvietnamesen nahmen die alte Kaiserstadt Hue am Wochenende unter Beschluß.

Politisch errang der südvietnamesische Präsident Thieu einen zweifelhaften Sieg: In Abwesenheit des Senatspräsidenten und aller oppositionellen Abgeordneten haben regierungstreue Mitglieder Sondervollmachten für Thieu durchgepeitscht.

  • Nordirland

In Ulster haben sich die Fronten in der zurückliegenden Woche verkehrt: Während bisher das Militär mit der (katholischen) IRA kämpfte, sind jetzt die militanten Protestanten der „Ulster Defense Association“ (UDA) zum Angriff übergegangen. Mit den Katholiken konnte Nordirland-Minister Whitelaw in Verhandlungen eine Einigung erreichen; IRA-Mitglieder begannen mit dem Abbau einiger Barrikaden in Londonderry. Dagegen baute die UDA am Wochenende Sperren, die sie nur teilweise zu Wochenbeginn wieder einriß. Mit ihrer Aktion wehren sich die Protestanten gegen Whitelaws Politik, von der sie glauben, daß sie die Katholiken begünstigt.

  • Nahost