Neu in Museen und Galerien:

Neuenkirdien/Soltau Bis zum 31. August, Galerie Falazik: „Aktion Heidebild“

Wilm Falazik rief, und fast alle kamen. 80, darunter prominente, deutsche Künstler produzierten das geforderte Heidebild. Viele sind heute glücklich, wenn ihnen ein Thema, irgendein Thema an die Hand gegeben wird. Der thematische Impuls verhilft ihnen zu einer Art Selbstbefreiung. Sie entgehen dem schrecklichen Repetitionszwang, sie können ihr spezifisches Arbeitsmaterial und ihre persönliche Stilattitüde für eine gestellte Aufgabe einsetzen. Spindel parodiert mit seinem rosa Schaumstoff ein Hünengrab („Habt Ihr nicht ne frische Moorleiche, die man darunter beerdigen könnte?“). Schultze baut einen Heidjer-Migof. Luther macht aus seinem Objekt einen „Kleinen Heidebeobachter“, alle Minilinsen reflektieren die hinterlegte Heidelandschaft. Andere nehmen das Thema als Gesellschaftsspiel, sie realisieren, was ihnen zum Stichwort Heide einfällt. Für Mosley sind es Heidschnucken, für Timm Ulrichs ist es der Kuckuck („das einzige Lebewesen, das ausschließlich den eigenen Namen besingt“). Berges denkt an Hermann Löns, er malt ihn als Kind mit Dichterkopf „im Jahre 1867 bei einem Sitzversuch“. Einer assoziiert, gegen die eher vergnüglichen Intentionen des Veranstalters, mit Lüneburger Heide Bergen-Belsen: Reipka malt ein „Epitaph“ der Ermordeten. Vor allem aber und in vielen Varianten wird die Heide als Terrain der Kitschmaler und der gefühlsschwelgenden Kitschkonsumenten denunziert. Uecker schlägt seinen supergroßen Nagel in das rosarote Heidebild. Staeck klebt das Warenhauspreisschild in die Landschaft „Und ewig blüht die Heide“. Heidecomics werden angeboten: der Heideförster als Parkwächter, Superman und die blonde Heide aus Rotenburg. Der ironische Aspekt des Themas wird einfallsreich abgehandelt. Wo aber, könnte der Besucher mit Katalogeinleiter Klaus Honneff fragen, bleibt das Positive? Das entromantisierte, das versachlichte, realistische Verhältnis zur Natur, zur Heide, auf das es angesichts der lebensgefährdenden technologischen und zivilisatorischen Exzesse ankäme, wird nur in wenigen Arbeiten sichtbar. Etwa bei Koberling oder, rigoros und unter Verzicht auf künstlerisches Gestalten, in dem Spiegelobjekt von Mack: Zwei Spiegel werden mit den Rückseiten gegeneinander so aufgestellt, daß sie viel Sonne, Landschaft und Bewegung widerspiegeln. Beim Aufstellen, verlangt Mack, darf die Natur (Erde, Wiese oder Heide) nicht verletzt werden.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Bremen Bis zum 3. September, Kunsthalle: „Ernst Ludwig Kirchner“

Die Ausstellungsreihe „Große Meister der Zeichenkunst“, die Bremen vor zehn Jahren begonnen hat, wird mit Kirchner fortgesetzt. 130 Zeichnungen und Aquarelle aus den Jahren 1906 bis 1938, auch untypische, auch unveröffentlichte Blätter aus der Sammlung Karlheinz Gabler.