Als die Fluglotsen im vorigen Jahr aus angeblich immateriellen Gründen bummelten, unternahm ihre vorgesetzte Dienstbehörde noch den schüchternen Versuch, einige der beamteten Verbandsfunktionäre zu disziplinieren. Sie kürzte ihnen vorübergehend die Gehälter und suspendierte sie vom Dienst. Nun, da die Monopol-Staatsdiener zum zweitenmal binnen sechs Wochen streiken, um dem Staat unangemessen hohe Löhne abzupressen, wagt der Dienstherr nicht einmal mehr an Disziplinarverfügungen zu denken. Bonn läßt sich auf Raten erpressen und gibt damit dem illegalen Beamtenstreik eine bessere Legitimation, als selbst gesetzliche Erlaubnis sie liefern könnte: die begründete Aussicht auf Erfolg.

Es hieße denn doch wohl ein Übermaß an Loyalität von allen anderen Beamtengruppen zu erwarten, wollte man glauben, daß sie bei passender Gelegenheit nicht auch nach dem bewährten Muster der Controller verfahren würden. Die stillschweigende Duldung und schöne Regelmäßigkeit der Belohnung des go slow auf unseren Verkehrsflughäfen stiftet nicht mehr allein finanziellen Schaden bei den Fluglinien und Ärger bei den Passagieren. Sie zerstört ganz unmerklich die ohnehin brüchig gewordenen Fundamente unseres öffentlichen Dienstes. H. Sch.