Von Stefan Woltereck

Beim Zweitwagen beginnt für viele immer noch das Großbürgertum. Doch in einer Welt, in der die Frau fast selbstverständlich ihrem Beruf nachgeht, ist das zweite Auto durchaus kein Privileg weniger Reicher mehr. Der Anteil der Zweitwagen am gesamten Pkw-Bestand wird zwar erst auf etwa zehn Prozent geschätzt – aber er steigt schnell. In den USA liegt er sehr viel höher.

Ein zweites Auto kann in abgelegenen Gegenden fast lebensnotwendig sein: als Voraussetzung für die Berufstätigkeit der Frau, aber auch als psychologische Bestätigung, daß man nicht „abgehängt“ ist, daß die Entscheidung richtig war, die preiswertere, ruhigere und in besserer Luft gelegene Wohnung weiter draußen zu nehmen.

Die abgelegenen Gebiete, die wir hier meinen, liegen dabei durchaus nicht im Bayerischen Wald oder in der Rhön. Sie bilden vielmehr das Umland der Großstädte mit ihren rasch wachsenden Neubaugebieten, in denen der Weg zur Schule, zu den Einkaufszentren oder den Freizeitangeboten, wie Kino oder Schwimmbad, oft einer kleinen Weltreise gleicht. Einziges Nahverkehrsmittel ist meist der Bus, wobei häufig die Fahrpläne der verschiedenen Linien nicht aufeinander abgestimmt sind.

Beispiel: Eine Mutter möchte mit ihren zwei kleinen Kindern in die Stadt fahren. Sie muß aber verschiedene Ziele ansteuern, die mit Kindern nicht im Fußmarsch zu erreichen sind. Sie fährt also zunächst mit dem lokalen Bus bis zur Haltestelle der S-Bahn, mit dieser dann in die Stadt. Dort muß sie dreimal die Straßenbahn benutzen – jedesmal mit neuem Fahrschein, denn Fahrtunterbrechungen sind nicht gestattet –, dann fährt sie mit S-Bahn und Bus wieder nach Hause. Am Ende hat sie für vielleicht 40 km Strecke einen zweistelligen Betrag ausgegeben und über zwei Stunden auf der Bahn zugebracht. Mit dem Auto hätte die Fahrzeit keine Stunde betragen, das Benzin hätte gerade drei Mark gekostet!

Das Beispiel mag unfair aussehen – erstens entstehen beim Auto nicht nur Benzinkosten, zweitens muß man in der Stadt auch Parkgebühren bezahlen. Aber der Trend zum Zweitwagen hat hier seine wesentlichen Ursachen: Unzureichende Nahverkehrsmittel – Zeitersparnis. Dazu kommen die spezifischen Vorteile des Autos: Man ist unabhängig von Fahrplänen, man fährt bequemer, hat Platz für Gepäck, muß also die eingekauften Sachen nicht tragen.

Aber wie sieht nun der ideale Zweitwagen aus? Es gibt mehrere Modelle, allerdings fast gar keine von deutschen Fließbändern.