Der Numerus clausus stammt aus den Zeiten, als die Amtssprache der Universitäten noch das Lateinische war, heißt wörtlich „geschlossene Zahl“ und bedeutet, daß eine Universität für einige oder für alle Fächer Quoten festlegt: mehr Studenten können nicht aufgenommen werden. Vor allem in der Medizin und in den Naturwissenschaften gibt es heute an den meisten deutschen Universitäten einen Numerus clausus. Einen generellen Numerus clausus für alle Fächer hat als erste deutsche Universität Hamburg eingeführt. Es gehört unter uns liberalen Akademikern zum guten Ton, gegen den Numerus clausus zu sein. Es fehlt jedoch an einer nüchternen Bestandsaufnahme der Argumente.

PRO:

1. Wo kein Platz ist, können auch keine Studenten aufgenommen werden. Laborplätze, zum Beispiel, sind nicht beliebig vermehrbar.

2. Wo die Kapazität der Lehrkräfte, der Räume, der Apparate zur Ausbildung von 300 Studenten ausreicht, könnten vielleicht auch 600 ausgebildet werden – aber eben nur „halb so gut“.

3. Keine Schule, kein Betrieb, kein Klub wäre lebensfähig, wenn Schüler, Angestellte, Mitglieder unbeschränkt aufgenommen werden müßten.

4. Die großen Traditionsuniversitäten des Auslands haben alle einen Numerus clausus, sie reden nur nicht davon (sondern behalten es sich einfach vor, welche Studienbewerber sie zulassen und welche nicht).

5. Die deutsche Tradition akademischer Freiheit, die auch die freie Wahl des Studienorts einschließt, kann bei einem Massenandrang an die Universitäten nicht ohne Abstriche aufrechterhalten werden: weil sonst alle in München studieren wollen oder in Hamburg, aber niemand will in Regensburg studieren oder in Bielefeld. (Das Beispiel ist ein Beispiel und sollte daher treue Regensburger und Bielefelder nicht vergrämen.) Solange wir an der Tradition festhalten (und wir sollten daran festhalten), müssen München und Hamburg in die Lage versetzt werden, Abwehrmechanismen zu entwickeln.