Er ist unkonventionell und paßt überhaupt nicht in das Klischee vom typischen Arbeitgeberpräsidenten: Otto A. Friedrich wurde am 3. Juli 70 Jahre alt. Als er 1969 zum Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gewählt wurde, gab es manche Stimmen, die in dem ehemaligen Generaldirektor der Phoenix Gummiwerke in Hamburg und jetzigen Flick-Gesellschafter nicht gerade das geeignete Aushängeschild der Arbeitgeber sahen.

Doch solche Befürchtungen waren unbegründet. Sie stammten ohnehin meist von Leuten, die den Manager Otto A. Friedrich nur nach seiner Position beurteilten und seine Bekenntnisse zu sozialer Partnerschaft als bloßes Lippenbekenntnis abzutun bereit waren. Sie ignorierten die Bereitschaft Friedrichs, vom hohen Stuhl des Spitzenmanagers herabzusteigen, um sich unbequemen öffentlichen Aufgaben zu widmen. Dabei hatte er das schon 1951 getan, als er den Posten eines „Beauftragten der Bundesregierung für Rohstofffragen“ in der Koreakrise übernahm.

Als Präsident des BDA, der ihn jüngst für weitere zwei Jahre einstimmig in seinem Amt bestätigte, erwies er sich als zielbewußter, aber konzilianter Verwalter der Industrieinteressen. Dabei verlor er seinen Blick für Wandlungen in der Gesellschafts- und Bildungspolitik genausowenig wie für die Gefährdung der Demokratie durch politische Gruppen, die das von ihm als richtig erkannte System der sozialen Marktwirtschaft durch falsche Ideologien ersetzen wollen. mh