Einige rechte Flügelmänner der Union argumentieren gegenwärtig, als hätten sie ihr politisches Handwerk bei den Linksradikalen gelernt. Für sie stehen sich in der Bundesrepublik nicht mehr Regierung und Opposition gegenüber, sondern ein „Regime“ und Demokraten. Vorneweg bei dieser fatalen Begriffsklitterung ist natürlich der Bayernkurier. „Von der Regierung zum Regime“ hat sich nach Meinung dieses Blattes die Koalition in Bonn entwickelt. Auch Herausgeber Franz Josef Strauß, Fachmann für politische Apokalyptik, tastete sich auf dem Umweg über eine Journalistenbeschimpfung aus dem Wörterbuch des Berufsrevolutionärs („jubel-jaulende Hofhunde“) an diesen Begriff heran.

Paul Wilhelm Wenger schließlich – es tut immer noch weh, ihn in dieser Gesellschaft zu sehen – glaubt, ähnlich wie der CSU-Vorsitzende, die Bundesrepublik befinde sich im „Vorhof plebiszitärer Volksfront-Manipulation“, und er hört schon am Wahltag die „Totenglocken für die deutsche Freiheit läuten“. Der Bayernkurier fragt denn auch demagogisch: „Die letzte freie Wahl?“ Panikmache ist für diese Einstimmung in den Wahlkampf ein milder Ausdruck. Die Methode ist dem politischen Radikalismus entlehnt: Es wird ein Teufel konstruiert, um ihm mit Beelzebub austreiben zu können. Die Erfahrung zeigt, daß diese Praxis trefflich geeignet ist, die parlamentarische Demokratie zur Strecke zu bringen.

R. Z.