Die argentinischen Politiker und Generäle haben ein neues Spiel entdeckt: „Er kommt, er kommt nicht, er kommt...“ Doch Juan Perón, seit 17 Jahren die graue Eminenz argentinischer Innenpolitik im spanischen Exil, schweigt sich noch aus. Freunde und Feinde werden ungeduldig; sie hoffen und fürchten, daß es ohne Verständigung mit Perón keinen Ausweg aus der argentinischen Misere gibt.

Seine Feinde haben ihm viele Konzessionen gemacht: Es wurden Urteile aufgehoben, Prozesse annulliert, Wahlverfahren geändert. Seine Freunde haben ihn zum Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im März 1973 gekürt; militärische Freund-Feinde haben versucht, mit seiner Hilfe den gegenwärtigen Präsidenten Lanusse auszuschalten, der auf einen Wahlsieg hofft: Politisches Intrigenspiel in einem Land, das von Unruhen und sozialer Unrast geschüttelt wird.

Die Situation ist grotesk: Ein abgewirtschafteter Ex-Diktator, von der einen Hälfte des Volkes gehaßt, von der anderen in politischer Verblendung als mystischer Heilsbringer ersehnt, soll jetzt die Übel heilen, zu denen er selber die Wurzeln gelegt hat. In der Zwischenzeit zerfällt die Regierungsautorität, müssen Militär und Polizei „durchgreifen“, weiten sich die Unruhen aus. Das Blümchen-Zupf-Spiel hat eine neue Variante bekommen: „Kommt er, kommt er nicht, kommt er – der Bürgerkrieg?“ H. B.