Professor Andronow lobte sein eigenes Kind. In der Moskauer Parteizeitung Prawda zihlte der russische Raumfahrtexperte die Erfolge der sowjetischen Meteor-Wettersatelliten auf: Die toten Späher hätten bislang "Tausende von Zyklonen" entdeckt und dabei drei maßgebliche Wirbelsturm-Brutstätten in der Nähe von Java ausgemacht, hätten Eisbewegungen in den arktischen und antarktischen Meeren überwacht und dadurch mitgeholfen, die Schiffahrtssaison in diesen Regionen zu verlängern, hätten durch die genauere Vorhersage von Weiterentwicklungen die Fahrtzeit von Frachtdampfern um fünf bis sieben Prozent verkürzt.

Lob sprach auch die britische Fachzeitschrift "Nature Physical Science" aus. In seiner Ausgabe vom 19. Juni berichtet das Blatt, der Start von Meteor-Satelliten sei seit 1967 eine "ziemlich alltägliche Angelegenheit" geworden.

Die Routineschüsse sind eine Versuchsserie für ein anspruchsvolleres Wetterbeobachtungssystem. Denn die Russen planen, die simple Meteorbeobachtung zu einem komplexen dreiteiligen Programm auszuweiten:

  • In der höchsten Ebene – in einer geostationären Umlaufbahn in 36 000 Kilometer Höhe – sollen Wettersatelliten einen ständigen Überblick über die großräumige Dynamik der Atmosphäre liefern.
  • In der mittleren Ebene – zwischen 1000 und 1500 Kilometer hoch – werden automatische meteorologische Beobachtungsstationen in polaren oder, beinahe polaren Erdumlaufbahnen die nötigen Daten für weltweite und lokale Wettervorhersagen sammeln.
  • In der untersten Ebene – nur wenige hundert Kilometer hoch – sollen von langlebigen bemannten Raumstationen aus "visuelle Beobachtungen der Erde und schnell ablaufender meteorologischer Erscheinungen" vorgenommen werden. Daneben sollen die Kosmonauten "Gezeiten, Erdrutsche und Lawinen, Staub- und Sandstürme, seismische Meereswellen, Hurrikane und Erdbeben" beobachten.

Die Nature-Experten, aufmerksame Beobachter der roten Raumfahrtszene, glauben heute, daß die Russen den Schock der Saljut-11-Katastrophe vom 30. Juni 1971 überwunden haben. Damals starben die Kosmonauten Dobrowolski, Wolkow und Pazajew nach 23tägigem Rekordflug kurz vor der Landung. Nature: "Es scheint, daß die beträchtlichen Sorgen um die Auswirkungen ausgedehnter Schwerelosigkeit durch umfangreiche Messungen vermindert oder durch weitere Untersuchungen über die Ursachen der Tragödie gelindert wurden." Noch in diesem Monat – genau ein Jahr nach dem folgenschweren Unglück von Saljut 11 – wollen die Sowjets denn auch ihr bemanntes Raumfahrtprogramm wiederaufnehmen.

Günter Haaf