Bessere Berufschancen für die Bürger in Uniform

Von Klaus von Schubert

Nun ist es raus: Die Bundeswehr bekommt zwei Hochschulen für die Ausbildung ihrer Offiziere. Zwar sind diese Hochschulen nur ein Teil einer umfassenden Reform des Bildungssystems in der Bundeswehr, doch seit die Kommission zur Neuordnung von Ausbildung und Bildung in der Bundeswehr vor einem Jahr ihr Gutachten („Das grüne Buch“) dem Verteidigungsminister übergeben hat, drehten sich nahezu alle Kontroversen um diesen Teil, als ob die Bundeswehr nur aus Offizieren bestehe.

Die Reformer sahen sich einander widersprechenden Vorwürfen ausgesetzt: Die einen befürchteten eine rein technokratische Strukturveränderung, die anderen sahen schon die Indoktrination in Gestalt trojanischer Bildungspferde auf die Bundeswehr zugaloppieren; die einen beanstandeten das mangelnde Bildungsniveau und politische Bewußtsein der Offiziere, die anderen – und manchmal sogar dieselben – protestierten gegen Bildungsausgaben ausgerechnet für die Bundeswehr; die einen unterstellten Helmut Schmidt die Absicht, er wolle Elitehochschulen gründen, die anderen beanstandeten die Gegenkonzeption der Kurzstudiengänge.

Die Bundeswehr muß bei alledem mit unterschiedlichen Interessen der Öffentlichkeit rechnen: erstens sollen die Streitkräfte im Rahmen der Sicherheitspolitik ihren Auftrag optimal erfüllen, zweitens sollen die Kosten zugunsten unaufschiebbarer ziviler Programme wie gerade der allgemeinen Bildungsreform gesenkt werden, drittens will man aber die militärisch notwendigen Bildungsanstrengungen über die Bundeswehr hinaus nutzen.

Die Bundeswehr selbst ist daran interessiert, Strukturen und Inhalte ihres Bildungssystems nur innerhalb der Bildungspolitik und des nationalen Bildungssystems der Bundesrepublik zu entwickeln. Was in der Bundeswehr gelernt wurde, muß im zivilen Berufsfeld anwendbar sein und umgekehrt, denn der „Soldat auf Zeit“, der für vier, acht oder zwölf Jahre in den Streitkräften Dienst tut, wird bei allen vorstellbaren Wehrstrukturen immer deutlicher zum wichtigsten Glied innerhalb der militärischen Personalstruktur.

Die von der technischen Entwicklung erzwungene Spezialisierung der Berufe hat besonders in den Streitkräften zu einer hochgradigen Differenzierung der Funktionen geführt. Zwar gilt für alle Soldaten der gleiche verbindliche Auftrag und Gesetzeskodex, doch beim genaueren Hinsehen zeigt sich, daß Soldaten innerhalb ihrer Funktionen Hunderte verschiedener Berufe ausüben.