Die 17. Jahreskonferenz des Südostasien-Pakts (SEATO), die Mitte voriger Woche in der australischen Hauptstadt Canberra eröffnet wurde, begann mit einem Eklat und endete zwei Tage später mit einem handfesten Krach. Der philippinische Außenminister Romulo schilderte seinen fünf Kollegen – Frankreich und Pakistan gehören dem Pakt zwar noch an, boykottierten aber wie in den vergangenen Jahren das Treffen – die SEATO als „anachronistische und unnötig provozierende Präsenz“, die dringend einer „massiven Transformation“ bedürfe. US-Außenminister Rogers wies verärgert jede Diskussion über Reformen zurück.

Dem australischen Oppositionsführer (und wahrscheinlich künftigen Premierminister) drohte er mit dem Austritt der USA; jede Kritik starke nur die Position amerikanischer Politiker, die an einem Disengagement der USA im Ausland interessiert seien. Whitlam hatte dem Pakt ein baldiges Ableben prophezeit, seit er so stark von seinen ursprünglichen Zielen abgewichen sei. SEATO-Sprecher hoben dagegen hervor, die kommunistische Bedrohung Südostasiens sei wie zur Gründung 1954 unvermindert groß; freilich gaben die Nixon-Reisen Hoffnung auf eine Milderung der Gefahr.

Moskau hat den Streit in Canberra aufmerksam verfolgt. Nach seiner Meinung versuchen Australien, Großbritannien und die USA die Tendenz zur Neutralisierung in den südostasiatischen Ländern mit allen Mitteln abzuwehren. Die Vertreter Londons und Washingtons hatten, wie Radio Moskau behauptete, auch die dringend gewünschte Diskussion über die Errichtung eines kollektiven Sicherheitssystems in Asien hintertrieben.