Wenn, wie jetzt beim, Gala Abend zum Abschluß der Stutt rter Ballettwoche, Tänzer sich nur noch im ohhin engen Rahmen von klassischen Pas de deus entwickeln können, dann ist Gefahr im Verzug.

Beginn des bejubelten Programms: Zu sehen ist, wie die Stuttgarter Ballettjunioren, das "Noverre Ballett", angestrengt aber fruchtlos hinter den Stuttgarter Stars hertanzen. John Cranko hat dazu "PineappU? poll", uraufgeführt 1951 in London, hervorgeholt: Es geht da, über viele Eselsbrücken wie fliake Lufttouren und pantomimische Scherzcheu, um Provinzlerinnen, die sich, um einesschmücken Kapitäns willen, als Matrosen verkleidet auf Schiff schleichen. Eingebettet in diese Klamotte versuchen die Solisten, technisch möglichst viel herzuzeigen Resultat ist ein ijienströser BaHettschihken, der die Frage provoziert: tanzen wozu? xr~ und: soll;diese junge Truppe, nur den Stars eiän Hintergrund liefern, oder müßte sie nicht einjigenes Repertoire, neue tänzerische Aufgaben bekommen? (Wer sich erinnern möchte: Tänzer wie Marcia Haydee haben sich erst z usamme mit den choreographische Reformen Granke - entfalten können ) Eine Uraufführung Stiegt den skrupellos verfolgten Trend in Stuttgart, nur noch Gelegenheiten fcu, Effekt und Ga> zu vermitteln und dabei die Tänzer möglichst so vorzustellen, wie das" Publikum sie kennt ind deshalb auch wiederseheJx möchte. RicharfCragun führt hier, ähnlich wie in einer älteren Ijjimmer von Cranko, Debussys jBrouillards", elfte? Truppe mit. Stock, Melone undiSteptanz an. Pgr Titel der Arbeit "—l +6" verweist auf einena sich originellen ballettdramaturgischen Ajisatäz: Während aus dein Graben cjer dünne Orciestejsatzvon Haydns D durKlayierkonzeit, l ;"Satz, erklingt, ersetzen auf der Bühne sechs ganzer das Solo Klayier und, spielen sich dabei wie im Schwarzen Theater auf — phosphoreszierende Stöcke, kreisende Hüte; bei Licht muß der Zuschauer dann betrachten, wie sich die Stuttgarter in Fußtrillern und Beinklimpern versuchen (Dieser Choreograph John Cranko, auch dies nur zur Erinnerung, der hier unter das Niveau einer professionellen Revue geht, hat einmal choreographisches Neuland erschlossen ) Im Hauptprogramm, "Divertissements" betitelt, gibt es dann Augenweide auf klassisch, Spitzenkünste der Gastballerinnen Gislinde Skroblin und Eva Evdokimova. Neben ihnen kann Cranko seine eigenen Stars kaum zu solchen Entwicklungen bringen. Birgit Keil: weil sie als die "leichtere" Ballerina gilt, muß sie in "Ariel" den abgerissenen Ferdinand albern umgirren. Heinz Clauss: weil er als denkender Tänzer gilt, muß er immerfort sinnieren und resignieren. Oder Marcia Haydee: da sie die Assoluta ist, niu"ß sie von Cragun, der sich als der "Virtuose" immerfort dreht und wendet, gleich zu Beginn des Pas de- deux "Legende" an einem Arm — wie beim Bolschoi in Moskau, versteht sich — 1 gelittet werden (Und dieses Spitzenpaar setzt sich auch nicht mehr- dramatisch auseinander, son dern erschöpf t sich in huldigenden Gesten ) Gala Abende"entschuldigen nicht alles: im grö ßeren Zusammenhang gesehen, ist dieser Stuttgarter Abendein böses Krisenzeichen. Unter dem Zwang, weiterhin eingeführter Markenartikel, begehrtes Exportprodukt zu bleiben, droht die Stuttgarter Ballettarbeit in selbstgefährdender Weise zum Anlaß für Selbstbestätigung zu werden — arn Schluß des Galaprogramms wurde denn auch noch einmal die choreographische Feierstunde "Initialen R B M E;" abgehalten, in der John Cranko die freundschaftlichen Beziehungen seinervier Tähzerstars ausstellt