Von Robert Barkan

Vom fallout der Raumfahrt ist viel die Rede. Weniger bekannt dürften dagegen die Nebenprodukte sein, die der Vietnamkrieg für die amerikanische Polizei und Industrie abgeworfen hat. Robert Barkan, Elektronik-Ingenieur und gegenwärtig Mitglied des Pacific Studies Center im kalifornischen East Palo Alto, meint in seinem (hier gekürzten) Beitrag, den er in der englischen Wissenschaftszeitschrift „New Scientist“ veröffentlichte, daß dieser fallout kaum weniger unerfreulich ist als der Krieg, von dem er stammt.

Für Schmuggler an der Grenze zwischen den USA und Mexiko sind schwere Zeiten angebrochen, seitdem die Amerikaner an entlegenen Grenzabschnitten Infiltrationsbarrieren installiert haben, Apparate ähnlich den Acousids und Minisids, mit denen die Streitkräfte in Vietnam Truppenbewegungen auf dem Ho-Tschi-Minh-Pfad aufspüren. Die Sensoren reagieren auf Geräusche und Vibrationen, wie sie von Schritten und von fahrenden Autos hervorgerufen werden. „Abgefragt“ werden diese Geräte von ferngelenkten, unbemannten Flugzeugen des Typs QU-22B, die im Vietnamkrieg nicht mehr benötigt werden, weil die Air Force sich dort jetzt leistungsfähigerer „Drohnen“ bedient.

Elektronische Sensoren, „technische Rückkehrer“ aus Vietnam, werden heute stillschweigend überall in den Vereinigten Staaten eingebaut. Sie umgeben Gefängnisse, Universitäten, Versorgungswerke oder staatliche Behörden und alarmieren die Polizei, sobald sich jemand diesen Überwachungsgeräten nähert. Im Vietnamkrieg bewährte Sensoren liegen auch unter dem Rasen des Weißen Hauses und in den Gärten der anderen Häuser des Präsidenten (San Clemente/Kalifornien und Key Biscayne/Florida).

Der Secret Service schweigt sich über die Installation solcher Geräte aus, aber die Zeitschrift „Electronics“ berichtete schon 1970, daß in der Nähe des Weißen Hauses ein Periguard der Firma Westinghouse erprobt würde. Solche Periguards bestehen aus zwei bis zu 200 Meter langen Schläuchen, die zu gleichen Teilen mit Wasser und Antifrostmittel gefüllt und etwa 40 Zentimeter tief im Boden verlegt sind. Ein piezoelektrischer (bei Druck eine elektrische Spannung liefernder) Fühler am Ende der Schläuche verwandelt Druckwellen – Geschwindigkeit 100 Meter pro Sekunde – in elektrische Signale.

Ebenfalls aus Vietnam heimgekehrt sind infrarotempfindliche und optische Detektoren. Im Krieg haben sie von Flugzeugen und Satelliten aus das vietnamesische Terrain inspiziert; jetzt werden sie in den USA beim Kampf gegen den Drogenmißbrauch eingesetzt. Die US-Regierung gibt in diesem Jahr zwei Millionen Dollar aus, um die „Signatur“ der Haschischpflanze Canna- bis – das heißt die Art, wie die Pflanze, unter verschiedenen Boden- und Klimabedingungen Wärme und Licht reflektiert – zu erforschen. Das Ziel: Große Cannabis-Felder außerhalb der USA sollen von erdumkreisenden Satelliten aufgenommen und kartographiert werden.

In Alabama, Georgia, North Carolina und Tennessee verwenden staatliche Agenten die Infrarotdetektoren auch schon zur Suche nach illegalen Weinbrennereien. Frühmorgens kreisen Flugzeuge in 700 Metern Höhe über verdächtigen Gebieten und photographieren Infrarotbilder, die dann unter die Lupe genommen und auf „heiße Spuren“ durchmustert werden.