Diskussionen leiden oft darunter, daß es den Beteiligten an der genauen Kenntnis von Fakten mangelt. Wird beispielsweise das Thema Neuwahlen besprochen – sei es am Stammtisch, in einer Redaktionskonferenz oder in der Appel-Runde –, so wissen nur die wenigsten exakt, was das Grundgesetz hierzu vorschreibt. Die meisten vermuten, spekulieren, raten – wer läuft schließlich auch ständig mit dem Grundgesetz unter dem Arm herum. So ist es nicht nur beim Thema Neuwahlen, dilettiert wird auch, wenn es um die Ostverträge geht, wenn über Fragen der Bundeswehr debattiert wird, wenn man sich beim Thema Ehescheidung die Köpfe heiß redet oder sich über die Frage entzweit, ob die Pornographie freizugeben sei. Die Debatten sind heftig und emotionsgeladen; wie aber Baudissins Programm wirklich aussieht, oder was die Hauptleute von Unna verfaßt haben – ja, man hat da mal was gelesen. Wie der letzte Stand der Dinge zu Paragraph 218 ist – auch hier mehr Gefühl als Wissen.

Diesem Mißtrauen will eine Reihe abhelfen, die sich „Aktuelle Dokumente“ nennt, von dem Bochumer Juristen Ingo von Münch herausgegeben wird und vor einem Jahr begonnen wurde. Sie ist bewußt für den interessierten Laien konzipiert, der schlicht informiert werden soll. Die „Aktuellen Dokumente“ versetzen ihn in die Lage, für die politische Diskussion, für Argumentation und Meinungsbildung einen Hintergrund an nüchternen Fakten bereit zu haben. In den handlichen Bänden im Taschenbuchformat werden die Ostverträge (I und II), die Berlin-Frage, das Ehescheidungsrecht, der Umweltschutz, das Sexualstrafrecht, der Paragraph 218 und das Problem der Inneren Führung in der Bundeswehr behandelt. In einem der jüngsten Bände geht es um die Frage des Bodenrechts („Einerseits wird in dem Privateigentum an Grund und Boden die Garantie der Freiheit und eine Säule unserer Gesellschaftsordnung gesehen, anderseits wird das Privateigentum an Grund und Boden als das Grundübel unserer Gesellschaft und als Wurzel der sozialen Mißstände bezeichnet.“). Ein weiteres aktuelles Thema: die Problematik der Verbrechensbekämpfung, wenn Geiseln mit im Spiel sind, aufgehängt am Beispiel des Münchner Bankraubs im letzten Sommer.

Es ist eine überaus brauchbare Reihe. Ein Beispiel: Der Band über das Ehescheidungsrecht enthält die wichtigsten Bestimmungen des geltenden Rechts, deren Änderung beabsichtigt oder gefordert wird, die Reformvorschläge, die offiziellen Entwürfe zum Scheidungsrecht und viele Stellungnahmen zu den Änderungsvorschlägen – von der Humanistischen Union bis zum Industrie- und Handelstag. Eine lückenlose Dokumentation, so heißt es im Vorwort zu diesem Band, dürfte kaum noch möglich sein. Sie würde Bände füllen. So wird also der eine oder andere Leser dieses oder jenes Dokument, diese oder jene Gesetzesstelle vermissen. Doch im ganzen ist einer „mit dem Münch unter dem Arm“ für jede Diskussion gut gewappnet.

Die Reihe nennt sich

„Aktuelle Dokumente“, herausgegeben von Ingo von Münch, Verlag de Gruyter, Berlin:

„Ostverträge I. Deutsch-Sowjetische Verträge“, zusammengestellt von Ingo von Münch; 276 S., 9,80 DM

„Ostverträge II. Deutsch-Polnische Verträge“; zusammengestellt von Ingo von Münch; 209 S., 7,80 DM