Nord- und Südkorea haben nach zwei Monaten geheimer Verhandlungen Schritte zu einer Wiedervereinigung der geteilten Halbinsel beschlossen. Sie kamen, wie in den beiden Hauptstädten am Dienstag bekanntgegeben wurde, überein, bewaffnete Provokationen zu unterlassen, eine Wiedervereinigung mit friedlichen Mitteln und ohne Einmischung Dritter anzustreben und einen Ausschuß einzusetzen, der die Wiederanknüpfung unterbrochener Bindungen und Beziehungen erörtern und koordinieren soll. Als erster Schritt wurde am gleichen Tag zwischen Pjöngjang und Seoul ein „heißer Draht“ installiert.

An den Verhandlungen nahmen Kim Yong Joo, ein Bruder des nordkoreanischen Ministerpräsidenten Kim II Sung, und Lee Hu Rak, der Leiter des südkoreanischen Nachrichtendienstes, teil. Kurt Waldheim, Generalsekretär der Vereinten Nationen, diente als Vermittler. Auch die Kontaktaufnahme kam über den Generalsekretär im März in Wien zustande.

Seit gut einem Jahr gab es Gespräche zwischen den Rot-Kreuz-Organisationen beider Länder. Aber noch im Dezember 1971 hatte Südkoreas Präsident Park jeden Gedanken einer Verständigung; mit dem Norden weit von sich gewiesen.