Die durch die Pfund-Schwäche ausgelöste neue Währungskrise hat im Juni stärker an den Kursen gezehrt, als der Vergleich der Ultimo-Kurse zeigt. Am 30. Juni, der letzten Börse des vergangenen Monats, gab es nämlich eine Art Jubel-Hausse als Ausdruck der Erleichterung darüber, daß Aktien auch weiterhin ohne Beschränkung durch Ausländer erworben werden dürfen. Sie ließ einen Teil der bis dahin entstandenen Verluste schwinden.

Eine genaue Analyse der Juni-Kursentwicklung zeigt indessen deutlich, daß wirtschaftliche Gesichtspunkte in der Jubel-Stimmung nicht völlig untergegangen sind. Einen deutlichen Rückschlag erlitten die drei Volksaktienunternehmen Preussag, Veba und VW. Bei allen drei Unternehmen spielt die ausländische Beteiligung keine Rolle. Die Preussag, das steht fest, wird sich noch lange schwertun, ehe sie wieder Ausschüttungen vorschlagen kann. Beim Volkswagenwerk ist eine Gewinnbesserung ebenfalls noch nicht in Sicht. Und bei der Veba wird erstmals auch offiziell die Möglichkeit einer Dividendensenkung angekündigt. Daß die beiden deutschen Reifenproduzenten, deren Aktien an der Börse notiert werden, nämlich Conti-Gummi und Phoenix-Gummi, durch die VW-Misere in Mitleidenschaft gezogen werden, ist beinahe selbstverständlich.

Daß es im Juni trotz aller Schwierigkeiten noch Gewinner gab, zeigen die Aktien von Karstadt und Kaufhof. Da auch die Aktien von Horten und Neckermann gut im Markt lagen, kann man von einer deutlichen Bevorzugung deutscher Warenhaus-Aktien sprechen. Das ist auch logisch, denn einmal sind sie im internationalen Vergleich noch immer preiswert, zum anderen haben die Warenhaus-Konzerne unter der Währungskrise nicht zu leiden, in Einzelfällen dürften sich für sie sogar günstigere Einkaufsmöglichkeiten im Ausland ergeben.

Erstaunlich ist die Kursentwicklung bei Audi/NSU. Obwohl das freiwillige Kaufangebot des Volkswagenwerks bei 226 Mark liegt, kletterte die Audi/NSU-Aktie inzwischen auf 260 bis 270 Mark. Entweder stellt dieser Kurs ein verstecktes Abfindungsangebot auf erhöhter Basis dar oder es handelt sich um spekulative Käufe in der Hoffnung, daß mögliche Prozesse doch noch ein besseres Kaufangebot durch das Volkswagenwerk herauslocken. In der Vergangenheit hatte sich die Zähigkeit oppositioneller Aktionäre gut bezahlt gemacht.

Vor exportintensiven Unternehmen wird der Anleger wieder einmal gewarnt. Das ist berechtigt, denn die neue Währungskrise, auch wenn ihre Folgen durch dirigistische Maßnahmen gemildert werden sollen, schwächt zunächst einmal die internationale Stellung deutscher Unternehmen. K. W.