Karl Georg Faber: „Theorie der Geschichtswissenschaft“; Verlag C. H. Beck, München 1971; 235 S., 12,80 DM.

Was ist Geschichte? Für Henry Ford beispielsweise war das keine sonderlich knifflige Frage, seine schnodderige Antwort kennt man: Geschichte ist Müll. Weniger lakonisch – nämlich auf gut zwanzig Seiten – äußert sich Professor Faber zu dieser Frage. Außerdem schreibt er noch über das Individuelle und das Allgemeine in der Geschichte, über Kausalität und Zufall, Typus und Struktur, macht Anmerkungen zur Sprache der Historie und über das historische Urteil. Im Mittelpunkt freilich, der anspruchsvolle Titel deutet es an, stehen wissenschaftstheoretische Probleme: das Verstehen in der Geschichtswissenschaft, Erkenntnis und Interesse. Zu lesen sind auch Bedenken gegenüber der Kritischen Theorie von Jürgen Habermas. Als Kontra-Lektüre sei deshalb Hans-Ulrich Wehlers wissenschaftstheoretisch interessanter Beitrag „Zum Verhältnis von Geschichtswissenschaft und Psychoanalyse“ (in „Geschichte und Psychoanalyse“, Köln 1971) und auch der Sonderband „Kritik der bürgerlichen Geschichtswissenschaft (I)“ – mit Aufsätzen von R. Kühnl, Imanuel Geiss u. a. – der West-Berliner Zeitschrift „Das Argument“ empfohlen. Hor.