Von Rolf Diekhof

Am Freitag dieser Woche stehen in München und Wolfsburg Aufsichtsräte und Vorstände ihren Aktionären zur gleichen Stunde Rede und Antwort: Die Bayerischen Motoren Werke und das Volkswagenwerk haben das einmalige Kunststück vollbracht, ihre Hauptversammlungen auf den gleichen Tag zu legen.

Die Terminpanne ist nicht das einzige Thema, das die Gemüter auf beiden Versammlungen zugleich bewegt. In Wolfsburg wie in München werden sich die Verwaltungen des größten und des kleinsten deutschen Autoproduzenten mit der schon traditionellen Auto-Aktionärsfrage beschäftigen müssen: Wie steht es mit einer Fusion?

Grund zu neuen Fusionsfragen haben sowohl die VW- als auch die BMW-Aktionäre. Denn an neuen Gerüchten über Fusionsgespräche und Kooperationspläne hat es in den letzten Monaten nicht gefehlt. So kam aus Italien die Nachricht, Fiat verhandele mit VW. Bei BMW entzündete sich die Phantasie der Spekulation an der Kursexplosion: Die BMW-Aktie schoß von 156 Mark Ende Oktober 1971 auf 260 Mark (pro 50-Mark-Aktie).

„Das Thema Fiat“, so das Wolfsburger Vorstandsmitglied Horst Backsmann, „hat nie eine Rolle gespielt.“ Und BMW-Vorstandschef Eberhard von Kuenheim dementiert jegliche Fusionspläne, hält den hohen BMW-Kurs für „einfach nicht zu rechtfertigen“ und warnt vor einem bitteren Ende: „Wenn Aktionäre enttäuscht werden, sind wir nicht schuld.“

Die Vermutung, BMW-Großaktionär Herbert Quandt sei der geheimnisvolle BMW-Aufkäufer, wird in der Schaltzentrale des Quandtschen Familienimperiums als „Unfug“ abgetan. Quandt-Manager in Homburg vor der Höhe räumen allerdings ein: „Weil wir nicht wissen, was wir wollen, kann die Börse spekulieren.“

Damit, daß spekuliert wird, haben sich die BMW-Kleinaktionäre längst abgefunden. Während in Wolfsburg mehr aus Neugier (und Routine) die Fusionsfrage immer wieder hochkommt, drängen Quandts kleine Partner schon lange: Die Integration des weiß-blauen Renommierunternehmens in einen größeren Verband ist ihnen seit Jahren wichtiges Anliegen.