Von Bräuchen muß zurückgetreten werden, damit man sich seines Verstands bedient.

Ernst Bloch

Das Schnulzenkartell braucht Geld

Die Filmförderungsanstalt (FFA), schlicht und zutreffend „Schnulzenkartell“ genannt, bewegt wieder einmal die Gemüter. Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Entwurf einer zweiten Novelle des unseligen deutschen Filmförderungsgesetzes vorgelegt, der im letzten Augenblick im Kabinett gestoppt wurde. Die Vorschläge sind abenteuerlich: Die Abgaben pro verkaufter Kinokarte (das heißt also: die Eintrittspreise!) sollen drastisch erhöht werden, die Fernsehanstalten sollen 20 000 Mark (bei Filmen mit Prädikaten 10 000 Mark) pro ausgestrahlten Kinofilm an die FIFA zahlen, und auch die unabhängigen Spielstellen sollen 3,5 Prozent der Eintrittspreise abführen. Die drei betroffenen Gruppen haben bereits gegen die utopischen und unverfrorenen Forderungen protestiert. Besonders grotesk ist die wohl als Versöhnungsbonbon gedachte Bestimmung, künftig auch pradikatisierte Filme unabhängig von ihrem Einspielergebnis zu fördern – der dafür vorgesehene Etat sind ganze 600 000 Mark.

Preis für Jean Amery

Den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in Höhe von 8000 Mark erhielt in diesem Jahr der Essayist Jean Amery. Die Akademie will damit ein Lebenswerk ehren, in dem, niedergelegt in einer „philosophischen Autobiographie“, „die radikale und schonungslose Analyse der Person mit der eines Zeitalters zusammentrifft“.

Laßt Frauen dichten

Der englische Arbeitsminister Sir John Hewitt, dem die Berufung eines Nachfolgers für den verstorbenen „Poet Laureate“ C. Day Lewis obliegt, hat jetzt in die Liste der Kandidaten auch drei Frauen aufgenommen – mangels Masse an möglichen Männern. Hofdichter zu sein (eine Beamtenstellung mit schmalem Gehalt, die allerdings auch zu fast nichts verpflichtet), war zu Zeiten von Edmund Spenser (der erste in diesem Amt, der sich mit seinem vielbändigen Werk „Faerie Queene“ noch bei der damaligen Elizabeth beliebt zu machen wußte) und seinen Nachfolgern Dryden, Wordsworth und Tennyson noch eine begehrte Stellung. Aber wer will heute schon noch in die Verlegenheit kommen, vielleicht die Königin in Ascot besingen zu müssen?