Das Wachstum der deutschen Währungsreserven in den letzten drei Jahren ist in erster Linie eine Folge der Dollarflucht. Spekulanten verkaufen Dollar, weil er langfristig als abwertungsverdächtig gilt, sie kaufen Mark, weil sie langfristig als aufwertungsverdächtig gilt. Die Bundesbank muß ab einem bestimmten Kurs (zur Zeit, ein Dollar = 3,15 Mark) alle auf dem Markt angebotenen Dollarbeträge aufkaufen. Allein im Juni stiegen auf diese Weise die Währungsreserven gegenüber dem Vormonat um rund neun Milliarden Mark. Der starke Einbruch in den Währungsreserven im Jahre 1969 ist eine Auswirkung der im Oktober 1969 durchgeführten Aufwertung der Mark. Währungsreserven sind also alles andere, als ein Maßstab für den Reichtum eines Landes. Mit einer Abwertung werden die Reserven rechnerisch vergrößert, mit einer Aufwertung verkleinert.