Davon handeln nächtens böse Träume manchmal: daß beispielsweise der Koffer aufgeht und das, was ’rausfällt, immer mehr wird. Daß jemand sich verdoppelt hat und nicht mehr durch den Haustürrahmen paßt. Morgens finden diese üblen Visionen dann ihr Ende – aus der Traum.

Zu diesem Zeitpunkt setzt sich der böse Traum der mittelwüchsigen Männer in die taghelle Szene: Weil dann die Frauen sich ihre Brikettsohlen unter die Füße schnallen. Er, mit Mühe seine Stattlichkeit behauptend, sieht das Wasser, wie es ihm zum Halse steigt. Sieht sich gestaucht von ihr, die sich jetzt rücksichtslos aufrichtet. Mit diesen neuen Schuhen käme die Unruhe selbst unter die Gardesoldaten. Die Mode hat den Frauen die Arbeitsbühne hochgekurbelt. Und es sind nicht die extremsten Sohlen, die das weibliche Tagesniveau um die Höhe einer – na, sagen wir einer Scheuerleiste anheben. Eine empfindliche Störung für die Optik der Sie-und-Er-Beziehung, für den Schattenriß der Pärchen.

Jetzt dürfte das Photographenbänkchen, jene alte Requisite für den Höhenunterschied der Geschlechter, wieder wichtig werden. Jetzt muß auch der mittelgroße Bräutigam wieder auf die kleine Treppe, soll seine Wange leicht über ihrem Scheitel liegen.

Marie-Luise Scherer