Viele Jahre lang verhielten sich die Schulbuchverleger still. Nun wollen sie nicht länger schweigen. „Jetzt“, verkündet der Diplom-Volkswirt Hans-Peter Vonhoff, Vorstand des von einer Verlegergruppe finanzierten Instituts für Bildungsmedien in Frankfurt, „jetzt schlagen wir zurück.“ Der erste Schlagabtausch ist bereits in vollem Gange.

Gekämpft wird um die deutsche Frau, genauer um „das Frauenbild in deutschen Lesebüchern“. So hat der Kölner Soziologe Alphons Silbermann sein Buch betitelt, in dem er und sein Mitarbeiter Udo Michael Krüger darlegen, wie die Frau den Schülern geschildert wird: „geradezu erschreckend“, weil total wirklichkeitsfremd. Die „Diskrepanz zwischen Wahrem und Unwahrem“ deute auf die „Gefahr“ hin, daß die politisch Verantwortlichen „eines Tages einer Generation gegenüberstehen, die durch ihr Verschulden so stark mit Irrationalität durchtränkt worden ist, daß sie unweigerlich die Bahn der Wirklichkeit verlassen wird“.

Die massive Breitseite aus Köln konnte kaum überraschen, da seit langem ähnlich über Schulbücher geurteilt wird: altmodisch sind sie, sentimental, ideologisch nicht tragbar, kitschig. Auf solche Vorwürfe schwiegen die Buchproduzenten zumeist weise, und einige bemühten sich um moderne Autoren und zeitgemäße Texte.

Still blieb es auch nach Silbermanns Angriff zunächst, weil der Geschäftsführer des Frankfurter Verleger-Instituts Dr. Helmuth O. Berg die Kölner Kritiker insgeheim dazu bringen wollte, ihre Meinung zu revidieren – erfolglos. „Da platzte mir der Kragen“, sagt Berg, und er ballerte nun seinerseits in der letzten Woche gleich vier Salven gegen Silbermanns Buch los: „wertlos“, „unbrauchbar“, „peinliche Fehler“, „schlicht falsch“. Berg legte zum Blattschuß auf den renommierten Wissenschaftler an: „Mit der falschen Methode sind die falschen Bücher analysiert worden.“ Davon fühlt Silbermann sich freilich nicht getroffen. Die Vorwürfe nennt er „völlig haltlos“. Berg ist für ihn bloß „ein Schulbuch-Lobbyist“, die Verlegergruppe stuft er als „eine reine pressure-group“ ein.

Nun ist Bergs Hauptargument in der Tat wenig überzeugend. Die falschen Bücher prüfte Silbermann gewiß nicht. Er untersuchte 18 Bücher, von denen – so Berg – „acht auslaufende Werke“ sind, „vier ganz neu“ und „sechs sind tot“. Das aber ist durchaus keine unrepräsentative Auswahl, wenn man bedenkt, daß gegenwärtig etwa 140 Lesebücher zugelassen sind, von denen nur zwanzig Titel seit 1965 neu konzipiert wurden.

Nach 1964/65 erschienene Lesebücher wurden an den Hochschulen in Bochum, Münster und Essen analysiert – mit niederschmetterndem Ergebnis: „Die neuen Lesebücher haben nicht gehalten, was eine mehr als zehnjährige Kritik versprechen konnte“, so faßt der Bochumer Didaktik-Professor Peter Braun das Ergebnis zusammen, „die Krise des Lesebuches ist weiterhin existent.“ Damit, so scheint mir, steht die Bataille um Schulbücher für die Verleger und ihren Frankfurter Vorposten nicht zum besten. Hayo Matthiesen