Herford

Das Räumen von öffentlichen Häusern ist im Kreis Herford gang und gäbe geworden. Schüler, die unpräpariert in eine Klassenarbeit schliddern, erhalten unverhoffte Hilfe und dürfen mit ihren Lehrmeistern friedlich vereint die Penne verlassen. Eine ganze Verwaltung müßt hoheitlichen Stempeln keinerlei Bedeutung bei, schließt nicht einmal fein säuberlich die Aktendeckel und sucht statt dessen ihr Heil in der Flucht. Richter vergessen den Tunichtgut vor den Schranken des Gesetzes, Staatsanwälte verzichten auf ihr Plädoyer und Verteidiger lassen geschwind ihre Unterlagen in Aktenmappen verschwinden. Justitia bleibt allein zurück. Zehn blinde Bombenalarme in kurzer Zeit haben schon so manchen Bürger in Herford und Umgebung zu merkwürdigen Verhaltensweisen getrieben.

Zunächst glaubten die Ostwestfalen an sehr dumme Jungenstreiche. Andere meinten gar, wie nett der oder die Unbekannten seien, warnten sie doch freundlicherweise die zuständigen Herren früh genug, was wann und wo passieren soll. Mit der steigenden Alarmziffer stieg proportional die Wut der Vielgeprüften.

Zu derlei Reaktionen hat die Polizei freilich kaum Zeit. Sie trimmt sich durch intensives Suchen nach den vermeintlichen Sprengsätzen. Inzwischen haben die Beamten Routine erlangt. Staunte ein Realschuldirektor-Stellvertreter: „Die schauen aber auch überall nach, sogar in Geigenkästen.“ Und der um Sauberkeit bemühte Hausmeister schaut den davoneilenden Beamten nach und schüttelt verärgert sein Haupt: „Hätte ich den Polizisten doch nur Besen in die Hand gedrückt, dann wäre jetzt auch der letzte Winkel meiner Schule blitzblank.“ Rüdiger Köllner,

Redakteur beim Herforder Kreisblatt