Der deutsche Traum vom eigenen Öl ist vorerst ausgeträumt. Die Deminex, eine Tochtergesellschaft, deren Kapital von den sieben wichtigsten Mineralölunternehmen der Bundesrepublik gehalten wird, verzichtete in der vergangenen Woche offiziell darauf, sich eigene Quellen am Persischen Golf zu sichern.

Vor einigen Monaten hatte BP (British Petroleum) der Deminex vorgeschlagen, sie solle 20 Prozent ihrer Bohrkonzession im Scheichtum Abu Dhabi übernehmen. Kosten der Beteiligung: etwa 700 Millionen Mark. Die Deminex-Mütter Veba, Gelsenberg, Wintershall, Saarbergwerke, Union Wesseling, Preussag und Deutsche Schachtbau hatten sich mindestens 200 Millionen Mark aus den Kassen des Bundes erhofft – und dazu eine Milliardenbürgschaft.

Das Wirtschaftsministerium aber wollte nur zahlen, wenn sich die Deminex selbst zu einer einheitlichen Meinung durchringen könnte. Doch solche Eintracht blieb unerfüllter Wunsch. Die Deminex-Gesellschafter konnten sich nicht über die Zweckmäßigkeit eines Engagements in Abu Dhabi einigen, Bonn machte daraufhin die Kassen dicht.

Zwei Ereignisse hatten bei den demschen Ölbossen erhebliche Zweifel an der BP-Offerte geweckt: die Verstaatlichung der Iraq Petroleum Company (IPC) und die Ankündigung der Regierung von Abu Dhabi, sie beanspruche eine Beteiligung von 51 Prozent an den Konzessionen im eigenen Lande.

Rudolf von Bennigsen-Foerder, als Veba-Chef an der Deminex-Entscheidung maßgeblich beteiligt, ließ keinen Zweifel daran, daß eine Beteiligung an Konzessionen alten Stils uninteressant geworden ist. An Arrangements mit den Ländern am Persischen Golf ist die Deminex freilich nach wie vor interessiert. Modellfall für künftige Ölkontrakte: das Abkommen zwischen dem Irak und der Compagnie Française des Pétroles (CFP).

Die zuvor enteigneten französischen Ölbohrer (die CFP war an IPC mit 23,75 Prozent beteiligt) vereinbarten mit der Regierung von Bagdad einen Liefervertrag, ohne daran die klassischen Ölkonzerne zu beteiligen. Auch der Deminex offerierte der Irak eine solche Vereinbarung. smi