Die Aktionäre der Gelsenberg AG, Essen, werden sich vermutlich noch auf eine längere Durststrecke einrichten müssen, nachdem für das Geschäftsjahr 1971 die Dividende von 8 auf 4 Prozent halbiert werden mußte. Aber selbst diese kümmerliche Dividende "konnte nicht im laufenden. Geschäftsjahr verdient werden, sondern stammt aus außerordentlichen und aperiodischen Erträgen, die nörmalerweise in die Rücklagen eingestellt werden.

i Für die Marschroute des Unternehmens, die zu einem größeren Gleichgewicht zwischen den vier Sparten Mineralöl und Erdgas, Chemie, Stromerzeugung und Handel führen soll, kam die Konjunkturflaute zu früh. So litten ausgerechnet Rflpmofrif) die beiden Hauptarbeitsgebiete Mineralöl und Petrochemie unter starkem Erlösverfall. Die roten Zahlen in diesen Bereichen konnten auch nicht durch die Gewinne der beiden anderen konsumnäheren Sparten ausgeglichen werden.

An jeder Tonne Rohöl verlor Gelsenberg gegen Ende des Jahres zehn Mark. Das ist bis heute so geblieben, so daß bei einem Rohöldurchsatz von knapp sieben Millionen Tonnen im Jahr 1972 bisher allein in diesem Bereich ein Verlust von schätzungsweise 35 Millionen Mark eingetreten ist. So steckt der gesamte Konzern in den roten Zahlen.

Dennoch hält der Vorstand an hohen Investitionen fest. Trotz der Konjunkturflaute sind die Investitionen von 197Q auf 1971 von 256 auf 359 Millionen Mark gestiegen. Auch 1972 sollen wieder knapp 300 Millionen Mark für die Fortführung des Strukturprogramms aufgewendet werden, von denen lediglich 40 Prozent durch Abschreibungen finanziert werden können. Für die Aktionäre ist es bitter, daß die Gelsenberg, bei einem Jahresüberschuß von 12 5 Millionen Mark allein 33 Millionen für Zinsen bezahlen muß. Ob für 1972 überhaupt noch eine Dividende zu erwarten ist, scheint mehr als unsicher, mh