Präsident Nixons demokratischer Gegner bei den Präsidentschaftswahlen heißt – nach dem Stand vom Dienstagabend George McGovern. Nach dem ersten, überaus stürmisch verlaufenen Sitzungstag des Parteikonvent! der Demokraten in Miami Beach erklärten seine Mitbewerber, die Senatoren Hubert Humphrey und Edmund Muskie, ihren Rückzug aus dem Wettbewerb um die Präsidentschaftskandidatur. Als rivalisierender Kandidat war danach nur noch der Senator von Alabama, George Wallace, im Rennen – Edward Kennedy, dem große Chancen zugesprochen werden, segelte am Wochenende demonstrativ mit seiner neuen Yacht.

Am ersten Tag mußte der Konvent in einer turbulenten Nachtsitzung über den Entscheid des Beglaubigungsausschusses der Demokraten befinden, wonach McGovern 151 der 271 Delegiertenstimmen, die er in den kalifornischen Vorwahlen errungen hatte, wieder genommen werden sollten. Der Ausschuß wollte – entgegen der bisher üblichen Praxis – McGovern nur 120 Stimmen, entsprechend seinem absoluten Anteil, zubilligen,

Ein Appellationsgericht in Washington hatte diesen Beschluß annulliert, der daraufhin angerufene Oberste Gerichtshof der USA dieses Urteil wiederum verworfen, die letzte Entscheidung darüber jedoch dem Konvent zugestanden,

Im ersten Abstimmungsgang wurden McGovern mit 1618 gegen 1238 Stimmen (die Mehrheit liegt bei 1433) alle kalifornischen Delegiertenstimmen zugesprochen. Ein Antrag auf Anfechtung dieses Abstimmungsergebnisses, gestellt von Anhängern des Senators Wallace, wurde mit 1689 gegen 1162 Stimmen verworfen. Ein Versuch, dem in der Parteiorganisation einflußreichen Oberbürgermeister von Chicago, Daley, und 58 Begleitern Sitz und Stimme auf dem Konvent einzuräumen, wurde mit 1486 gegen 1391 Stimmen zurückgewiesen.