Wenn Bundesregierung und Bundesbank mit den Devisenkontrollen ernst machen, können sie immer tiefer in den Dirigismus geraten.

Karl Schiller, so scheint es, wurde in der falschen Schlacht geopfert. Bundesbankpräsident Karl Klasen hatte dem Kanzler und seinen Ministern zugesichert, sie hätten bis zur Bundestagswahl Ruhe an der Währungsfront, wenn sie seinen Antrag auf Einführung von Devisenkontrollen annähmen. Sie nahmen ihn an, schufen damit den Anlaß für Schillers Rücktritt – und hatten dennoch an der Währungsfront keine Ruhe.

Bis auf den Sachverständigenrat und Klaus-Dieter Arndt, den Präsidenten des Berliner Instituts für Wirtschaftsforschung, hatten sich fast alle Beobachter – auch wir – mit dem ersten Schritt in den Dirigismus abgefunden, weil die von Schiller empfohlene Strategie den Zufluß von Auslandsgeld nicht gestoppt hätte; sie wäre am Widerstand Frankreichs gescheitert. Wenn jedoch Geld aus dem Ausland in die Bundesrepublik strömt, bleibt das Streben nach stabilem Geld ein frommer Wunsch.

Die Schweiz, deren Währung im Ausland ebenso begehrt ist wie die unsrige, hat jede Kapitaleinfuhr rundweg verboten. So schien es ein notwendiger Schritt, auch die Bundesrepublik gegen den Zufluß von Auslandsgeld zu schützen. Zwischen den ausländischen Kapitalgeber und den inländischen Empfänger schob sich die Bundesbank als Kontrolleur.

Gestützt auf eine Rechtsverordnung, die auf den tausendfach zitierten Paragraphen 23 Ziffer 4 des Außenwirtschaftsgesetzes Bezug nimmt, muß sie nun den Verkauf von deutschen festverzinslichen Wertpapieren an Ausländer genehmigen. Durch diesen Kanal flössen allein von Januar bis April rund dreieinhalb Milliarden Mark ins Land. Wenn solche Wertpapierverkäufe von sofort an nicht mehr genehmigt werden, so schlossen die in Kontrollen unerfahrenenDeutschen, muß der Zufluß aus dem Ausland schwächer werden.

Doch er wurde zunächst stärker. Wie auf Seite 25 geschildert wird, müßte die Bundesregierung noch ein ganzes Bündel von Kontrollen beschließen, wenn sie wirklich alle Schlupflöcher schließen wollte, durch die Geld hereinkommen kann. Mit punktuellem Flickwerk ist da nicht viel zu machen. Eine Maßnahme zieht, wenn man es mit den Kontrollen ernst meint, die andere nach sich.

Am Anfang stand das Bardepot. Es bewegt sich noch in der grauen Zone zwischen Freiheit und Devisenkontrollen. Der Unternehmer, der Geld im Ausland leihen will, weil es dort billiger zu haben ist, muß vierzig (jetzt schon fünfzig) Prozent der geliehenen Summen zinslos bei der Bundesbank hinterlegen. Die Unternehmer sollten dadurch veranlaßt werden, Geld lieber im Inland zu leihen. Kaum war die Vorschrift in Kraft, sank auf dem Eurodollar-Markt der Zins so tief, daß es trotz Bardepot immer noch billiger war, einen Kredit im Ausland statt im Inland aufzunehmen.