Die Bayern werden bisweilen für wurstig gehalten, weil sie in politischen Fragen nur selten ihren Lederhosenboden lupfen. Jetzt haben sie kräftig auf den Tisch gehauen: Das Volksbegehren „Rundfunkfreiheit“, eine Bürgerinitiative gegen den Versuch einer CSU-Machtergreifung im Bayerischen Rundfunk, war erfolgreich.

Über eine Million Bürger entschieden sich gegen den übermächtigen CSU-Einfluß im Rundfunkrat, dreihunderttausend mehr als erforderlich. Und das, obwohl die CSU gegen diese „Propagandaschlacht“ für die Ausweitung „sozialistischer Positionen“ auf den weißblauen Ätherwellen gezetert hatte, obgleich Strauß das Schreckgespenst einer „Reichsrundfunkkammer mit Linksdrall“ an die Wand gemalt und sein Bayernkurier die Volksaktion als eine „Attacke auf die freiheitliche Verfassung“ diffamiert hatte.

Die Bürger zwischen Bamberg und Berchtesgaden ließen sich nicht übertölpeln. Zum drittenmal seit 1945 machten sie jetzt von ihrem demokratischen Recht auf direkte Teilnahme an der Landesgesetzgebung Gebrauch, wie es übrigens nur die bayerische Verfassung vorsieht. Die Bürger-Opposition gegen die CSU-Novelle zum Rundfunkgesetz ist ein empfindlicher Schlag für die Regierung Goppel. Nie zuvor hatte in Bayern eine politische Aktion eine so breite Unterstützung in der Bevölkerung gefunden, noch nie waren daran so starke konservative und kirchliche Gruppen beteiligt.

Fazit: Wenn man dem Bürger die Augen öffnet, wachsen auch die Bäume der CSU nicht in den weißblauen Himmel. S. B.