Hervorragend:

„Ludwig“, von Hans-Jürgen Syberberg. Ein Kompendium des 19. Jahrhunderts, in dessen extreme Künstlichkeit und ironisch zitierten Bildungswust man sich trotz zweieinhalb Stunden immer wieder vergafft. Ludwig II. (Harry Baer) posiert, schmachtet, hadert,, deklamiert, schäkert und leidet vor echten alten Wagner-Kulissen, er ist Ludwig, Wotan, Parsifal, Tristan, Jesus und Iwan der Schreckliche in einem – ein narzißtischer Psychopath und ein visionärer Nachtmar. Der Film hält die Balance zwischen Operette, Bilderbuch, „Gesamtkunstwerk“ und „4711“-Reklame, zwischen sakralem Faltenwurf, Pop und Politik; er ist von einer seltenen Maßlosigkeit und Frivolität, sehr intellektuell, äußerst raffiniert und ganz unmöglich. WD

„W. R. – Mysterien des Organismus“, von Dusan Makavejew.

Im Fernsehen: „Gebrochene Blüten“ (USA 1919), von David Wark Griffith (West III 15. Juli).

Sehenswert:

„Totentanz der Vampire“, von Peter Duffell. Britischer Horrorfilm in vier Episoden. Nach einem Skript von „Psycho“-Autor Robert Bloch inszenierte der bei uns noch unbekannte Regisseur Duffell, einst Mitarbeiter von „Mit Schirm, Charme und Melone“, einen ebenso stilsicheren wie abwechslungsreichen Reigen klassischer Schauermotive. Hervorragend gelangen ihm vor allem die beiden letzten Episoden: die sehr subtil konstruierte Geschichte eines bösen kleinen Mädchens und die mit Insider-jokes gespickte Parodie auf den typischsten Horror der Londoner „Hammer“-Produktion. HCB

„Blindman – Der Vollstrecker“, von Fernando Baldi. „Lonesome Cowboys“, von Andy Warhol.

Im Fernsehen: „Das Mädchen Lotte“ (Dänemark 1970), von Franz Ernst (ARD 17. Juli), der in seinem ersten Spielfilm am Einzelfall eines Mädchens, das seit seinem vierten Lebensjahr der staatlichen Fürsorge unterstellt ist, die Unzulänglichkeit eines fortgeschrittenen Wohlfahrtsstaates attackiert. In den ziellosen Fluchtversuchen der 16jährigen Lone, in ihrer Kontaktarmut und ihrer Indifferenz macht der Regisseur mit dokumentarischer Genauigkeit die Folgen einer Erziehung deutlich, die weniger auf soziale Integration als auf Anpassung gerichtet ist.

WOR

„Das Mondkalb“ (USA 1966), von Gordon Douglas (ZDF 14. Juli). „Laßt mich leben“ (USA 1958), von Robert Wise (ZDF 15. Juli).

Annehmbar:

„Malastrana“, von Aldo Lado. „Halleluja Amigo“, von Maurizio Lucidi. „Herzbube“, von Jerzy Skolimowski. „Circus der Vampire“, von Robert Young.

Fragwürdig:

„Troll“, von Vilgot Sjöman. Wirres Panoptikum skandinavischer Sexualgewohnheiten. Mit reichlich verquältem Humor versucht der einstige Skandalmacher Sjöman („491“, „Geschwisterbett“) ein mit mancherlei nordischer Symbolik befrachtetes Plädoyer für repressionsfreien Sex. Mangels eines klaren dramaturgischen Konzepts bleibt die gute Absicht über weite Strecken im dunkeln. Pointiert satirisch wird Sjöman nur einmal, als er ein Gruppensex-Gerangel à la Kronhausen in einem vielstimmigen Verdi-Stück kulminieren läßt. HCB

„Wonnekloß“, von Marran Gosov. „Großstadtprärie“, von Claus Tinney. „Der Würger kommt auf leisen Socken“, von Guido Zurli.

Ärgerlich:

„Goofys lustige Olympiade“, Produktion Walt Disney. „Die dressierte Frau“, von Ernst Hofbauer. „Chamsin“, von Veit Relin „Freibeuter der Meere“, von Vincent Thomas.