Hamburg

Städte brauchen immer mehr Menschen. Deswegen werben sie um sie. Menschen: das sind Arbeitskräfte, Steuerzahler, Verbraucher. Auch die Freie und Hansestadt Hamburg braucht Menschen. „Hamburg muß ... von der Bevölkerungszahl her wieder wachsen, wenn es lebensfähig bleiben will“, sagte in der vergangenen Woche der Erste Bürgermeister, Peter Schulz.

Aber zur selben Zeit strebt die Freie und Hansestadt Hamburg jenen Status an, den ihr Wappen mit dem geschlossenen Stadttor seit eh und je signalisiert, den Status egoistischer Abgeschlossenheit: Hamburg macht die Tore dicht. Zwar nicht für alle, die anklopfen, aber doch für Schüler und Studenten von auswärts.

Betroffen sind von dieser rigorosen Absperrmaßnahme insbesondere solche Familien, die am Stadtrand wohnen (vielleicht nur wenige Meter hinter der Landesgrenze) und die deswegen dort wohnen, weil der Stadtstaat Hamburg (wo die Väter arbeiten, einen Teil ihrer Steuern zahlen und wo die Familien einkaufen) für entsprechende Wohnmöglichkeiten innerhalb der Landesgrenzen nicht gesorgt hat. Diese Familien haben nun künftig nicht mehr das Recht, ihre Kinder auf Hamburger Schulen zu schicken; die Kinder müssen in die Schulen der umliegenden Städtchen, die manchmal ziemlich weit entfernt und meistens nur auf höchst abenteuerliche Weise erreichbar sind.

Ist, was hier geschieht, nicht eine empfindliche Beschneidung an Freiheit? Und das seitens einer Stadt, die ihren Titel „Frei“ (den sie sich allerdings selber zugelegt hat und der eigentlich eine Fälschung ist) so gern und oft betont!

Man kann auch so fragen: Wenn eine Stadt um Menschen wirbt (um Arbeitskräfte, um Verbraucher) und diesen Menschen später, wenn sie sich in ihrer Nähe niedergelassen haben, sagen muß: „Arbeiten könnt ihr hier, aber für eure Kinder ist auf unseren Schulen kein Platz“, kann sie dann überhaupt noch als lebensfähig angesehen werden? Es ist doch wohl höchste Zeit, solche Landesgrenzen zu überwinden. Gerhard Prause