Von Dieter Piel

Die Freude war gedämpft: Nachdem die CDU-Führer die angenehme Nachricht vom Rücktritt Bundeswirtschafts- und Finanzministers Karl Schiller erhalten hatten, empfanden sie die Information, daß Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher als sein Nachfolger im Gespräch sei, als eine Art Hiobsbotschaft. Sorgenvoll errechneten sie, daß dies die ohnehin beachtliche Popularität des Anarchistenfängers aus der FDP noch steigern und den Liberalen zusätzlich Wählerstimmen bringen könnte.

Dann aber atmeten die Wahlkampfplaner um den Unionsgeneralsekretär Konrad Kraske auf: Schillers Abgang wurde für die Union durch denhart erkämpften Verzicht Genschers erst schön.

Noch schätzt zwar CDU-Schatzmeister Walter Leisler Kiep die Kosten des bevorstehenden Wahlkampfes für seine stark verschuldete Partei auf 80 Millionen Mark; seine Mitarbeiter aber meinen, daß man sich „eigentlich die Hälfte dieser Summe sparen“ könne. Der Abgang Karl Schillers aus der sozialliberalen Koalition würde die Wirksamkeit dieser 40 Millionen mindestens ausgleichen.

In der Tat hat die Demission des Superministers das Fußvolk der Unionsparteien in eine wahre Euphorie versetzt. Hatte man sich ohnedies schon auf die Wirtschaftspolitik als Wahlkampfthema Nummer eins konzentriert, so schien Schiller nunmehr weitere Munition zu liefern: Eine Regierung, welche die Preise nur mit Mühe und ihre Finanzminister überhaupt nicht halten könne, müsse sich doch wohl bezwingen lassen.

Nicht so siegessicher ist man indes im wahlkampferfahrenen Partei-Establishment. Bedenken dagegen, Schiller nun als „Kronzeugen“ dafür herauszustellen, daß die Sozialdemokraten Verrat an der Marktwirtschaft üben, bestehen vor allem in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Man dürfe nicht, so heißt es vor allem in der Umgebung des wirtschaftspolitischen Sprechers Franz Josef Strauß, Schiller plötzlich loben, nachdem man ihn jahrelang verketzert habe.

Aber auch eine Fortsetzung der Angriff auf die Politik Karl Schillers stößt auf Bedenken – etwa bei Manfred Luda, der sich selbst jahrelang so intensiv als wirtschaftspolitischer Star seiner Partei gefeiert hatte, daß die CDU seiner schließlich überdrüssig wurde. Wer jetzt Schiller attackiere, so Luda vor dem CDU-Bundesausschuß für Wirtschaftspolitik, rechtfertige die Politik der SPD. Dem pflichtet auch der CDU-Arbeitnehmersprecher Hermann Josef Russe bei.