Keine Angst, Capri ist gar nicht so teuer! Die Insel der Millionäre bietet auch Neue malverbrauchern Spaß!“ (Überschrift Neue Revue Nr. 3/72)

Am 13. Juni 1971 passierte es: Ich setzte mich, soeben auf Capri angekommen, in einen Inselbus, um schmerzhaft berührt gleich wieder hochzuschnellen: Eine scharfkantige Schraube hatte sich soeben durch meine neue Freizeithose gebohrt. Der Busfahrer entschuldigte das fatale Mißgeschick, die Mitreisenden bespöttelten unterwegs bei den Photopausen meinen Versuch, durch den Hosenriß schimmernde Sitzfleischblöße zu bedecken. Ein Sub-Direktor des Consorzio Noleggiatori Anacapri tröstete: „Wir sind eine seriöse Gesellschaft – unsere Versicherung wird den Schaden ersetzen. Schicken Sie uns die Rechnung für eine neue Hose.“

Aber schon zweimal hatte ich bei Italienaufenthalten die Erfahrung machen müssen, daß italienische Versicherungen Ansprüche ausländischer Geschädigter einfach ignorieren oder daß Italiener wider besseres Wissen bei Unfällen beteuern, versichert zu sein, nur um polizeilichen Feststellungen zu entgehen. 1953 hatte ein italienischer Lastwagen meinen Motorroller schwer beschädigt, ohne daß dessen Versicherung zahlte? 1960 hatte ein nicht versicherter Gemüsewagen in den Dolomiten meinen Pkw gerammt.

Immerhin gibt es ja neuerdings die auf Kraftfahrzeuge und Motorboote ausgedehnte Versicherungspflicht in Italien. Bei der Frage, ob eine Hose ausreiche, die Versicherungsbürokratie in Bewegung zu setzen, erinnerte ich mich an jene im Dienst zerschlissenen Hosen von Kanzleramtsminister Ehmke, die aus der Bundeskasse ersetzt worden waren.

So schickte ich nach der Heimkehr am 5. Juli die Rechnung für eine neue Hose nach Capri und am 26. September die erste Mahnung. Als ich auch weiterhin nichts hörte, schaltete ich nacheinander das Staatliche Italienische Fremdenverkehrsamt ENIT, das italienische Generalkonsulat in München und das deutsche Generalkonsulat in Neapel ein. Nachdem die Akte schon beachtlich angeschwollen war, riet das deutsche Generalkonsulat im fernen Napoli, um die Sache voranzutreiben, doch nun auch noch die zerrissene Hose nach Capri zu schicken; was geschah: die bisher angefallenen Portokosten von 5,30 Mark wurden um weitere 3,50 Mark vermehrt, der Gesamtschaden wuchs damit auf 57,80 Mark, Papier und Zeitaufwand nicht gerechnet.

Nach einem Jahr vergeblichen Bemühens gab ich nun auf: Wer in Italien als Tourist einen versicherungsrechtlichen Schaden erleidet, kann kaum mit Entschädigung rechnen. Der ADAC in München bestätigt: Die nicht ersetzte Hose von Capri ist kein Einzelfall – die Hose unterscheide sich von anderen Fällen nur dadurch, daß es in der Regel um weit höhere Werte geht. A.G.