Wirtschaft

Gelsenberg: Die Flaute kam zu früh

Die Aktionäre der Gelsenberg AG, Essen, werden sich vermutlich noch auf eine längere Durststrecke einrichten müssen, nachdem für das Geschäftsjahr 1971 die Dividende von 8 auf 4 Prozent halbiert werden mußte.

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DIE ZEIT

Ein Sieg der Bürger

Die Bayern werden bisweilen für wurstig gehalten, weil sie in politischen Fragen nur selten ihren Lederhosenboden lupfen. Jetzt haben sie kräftig auf den Tisch gehauen: Das Volksbegehren „Rundfunkfreiheit“, eine Bürgerinitiative gegen den Versuch einer CSU-Machtergreifung im Bayerischen Rundfunk, war erfolgreich.

Brisantes Poker

Das Gesetzespaket zur Förderung der inneren Sicherheit hat die letzten legislativen Hürden in einem geradezu atemberaubenden Endspurt genommen.

Kann Schmidt die Bresche schließen?

Die Bundesregierung hat aus einer schlimmen Situation das Beste gemacht. Ob das Beste gut genug ist, ob es noch ausreicht, um dem Vertrauensschwund der Regierung Einhalt zu gebieten, wird sich freilich erst bei den Wahlen erweisen.

Winzers Wink

Die DDR wehrt sich gegen den Versuch Bonns, mit Hilfe der westlichen Verbündeten Ostberlin die internationale Anerkennung so lange zu verweigern, als das Verhältnis der beiden deutschen Staaten zueinander noch nicht geregelt ist.

Zerbombte Moral

Wegen der Entwendung von siebentausend Seiten geheimer Pentagon-Papiere, die er einst selber mitverfaßt hatte, steht jetzt in Los Angeles ein ehemaliger Mitarbeiter des amerikanischen Verteidigungsministers vor Gericht: Daniel Ellsberg, Dieb aus Gewissensnot.

Die Pariser Wachablösung

Die Situation hatte etwas Groteskes: Bevor das französische Volk noch erfuhr, daß Jacques Chaban-Delmas die längste Zeit Premierminister gewesen war, wurde Bundeskanzler Brandt in Bonn von seinem höflichen Gast Pompidou darüber ins Bild gesetzt.

ZEITSPIEGEL

In China kommt kapitalistische Denkweise wieder zu Ehren, nachdem man erkannt hat, daß materielle Anreize mehr die Produktivität fördern als ideelle.

Die Protestsänger blieben vor der Tür

Die Einwohner von Miami Beach hatten in den letzten Tagen Anlaß zur Klage. Vor allem die vielen alten Leute, die in dieser Idylle aus Beton, Kitsch und Palmen ihren Urlaub oder Lebensabend verbringen, beschwerten sich.

Zu wenig Zeit zur Kür

Am Anfang gab es beruhigende Worte: Helmut Schmidt bekannte sich zur sozialen Marktwirtschaft und lobte das Ziel wirtschaftlicher Stabilität.

Wie der Stil, so die Herrschaft?

Den Anlaß zu Karl Schillers Rücktritt gaben ressortpolitische, nicht richtungspolitische Gegensätze. Tatsächlich treten Ressortrivalitäten ja auch in Koalitionsregierungen schärfer und viel häufiger auf als Richtungsauseinandersetzungen.

Kontinuität und Bewegung

Unter den Verteidigungsministern der Bundesrepublik Deutschland hat Helmut Schmidt die kürzeste Zeit amtiert Nur zögernd hätte er vor weniger als drei Jahren ein Amt übernommen, daß ihm Jahre vorher erstrebenswerter erschienen sein mochte.

Peking im Bonner Visier

Neben Luxemburg und Portugal ist die Bundesrepublik das einzige EWG- und Nato-Land, das bisher zu Peking keine offiziellen Beziehungen aufgenommen hat.

Seide für den Süden

Das Einschwenken Nordkoreas auf die Politik der, Entspannung läßt sich aus einem Grundbegriff der nordkoreanischen Politik am besten erklären.

Krach mit Kairo

Zwischen Kairo und dem Kreml steht es derzeit nicht zum besten. Ein Jahr nach Abschluß des ägyptisch-sowjetischen Freundschaftsvertrages bekommt Präsident Sadat mehr und mehr zu spüren, daß er an der kurzen Moskauer Leine liegt.

Flug zurück im Zorn

Nicht ganz zwei Jahre lang flog sie unter dem Kennzeichen D-ALAS sonnenhungrige Touristen aus der Bundesrepublik gen Süden: 4918 Flugstunden lang, bei 3611 Starts und Landungen.

Landtag des Lächelns

Heinrich Böll saß mit seinen Gästen „friedlich, friedfertig und bürgerlich bei Kaffee und Kuchen“. So beschreibt der Schriftsteller in seinem Brief an Bundesinnenminister Genscher das Feiertagsidyll, das Polizeibeamte auf der Suche nach Mitgliedern der Baader-Meinhof-Bande störten.

Grenz-Fragen

Städte brauchen immer mehr Menschen. Deswegen werben sie um sie. Menschen: das sind Arbeitskräfte, Steuerzahler, Verbraucher.

Hilfe vor Ort

Um Soforthilfe vor Ort leisten zu können, will sich die Oberhausener Aktion Friedensdorf ein zweites Standbein im südvietnamesischen Dalat zulegen.

Bombenalarm in Herford

Das Räumen von öffentlichen Häusern ist im Kreis Herford gang und gäbe geworden. Schüler, die unpräpariert in eine Klassenarbeit schliddern, erhalten unverhoffte Hilfe und dürfen mit ihren Lehrmeistern friedlich vereint die Penne verlassen.

Vogel-Kunde

Während die Koalition in Bonn über der Schiller-Krise brütete und die Opposition den Rücktritt des Superministers mit martialischem Wahlkampfgetöse begleitete, servierten ein Sozialdemokrat und ein Christlicher Demokrat vor den Toren Bonns einträchtig Politik mit leichter Hand: Bernhard Vogel, Kultusminister von Rheinland-Pfalz, präsentierte als Hausherr im Bahnhof Rolandseck seinen Bruder Hans-Jochen Vogel als Buchautor.

Was geht in China vor?

Da die vier Bände der offiziellen „Ausgewählten Werke“ Maos nur die Schriften von 1926 bis zum September 1949 enthalten, hätte eigentlich längst eine Sammlung der danach geschriebenen Aufsätze Maos folgen müssen, behandeln sie doch die wichtige Periode seit Gründung der Volksrepublik China.

AUFSTIEG - JOB - VERDIENST

Ein Netz von mehr als 500 Beratungsstellen für Behinderte will der Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten einrichten. Damit entstehen vor allem neue Möglichkeiten der Information für die berufliche Rehabilitation.

Duell Nixon – McGovern?

Präsident Nixons demokratischer Gegner bei den Präsidentschaftswahlen heißt – nach dem Stand vom Dienstagabend George McGovern.

Frankreich: Neue Regierung

Die Regierungsumbildung war erwartet worden, aber der Zeitpunkt überraschte. Einen Tag nach den deutschfranzösischen Konsultationen nahm Frankreichs Staatspräsident Pompidou die Demission von Premierminister Jacques Chaban-Delmas an.

Dokumente der ZEIT

„Es ist der Wunsch der Regierung, daß das Inkrafttreten des neuen Gesetzeswerks für die Überseeprovinzen, das jetzt im Amtsblatt der Regierung veröffentlicht wurde, einen weiteren Schritt beim Aufbau einer Mehrrassengesellschaft bedeute, in der alle Portugiesen friedlich, mit völliger Gleichheit der Rechte und Verpflichtungen und mit offener Beteiligung an ihrem gemeinsamen Schicksal zusammenleben sollen.

Nordirland steht vor dem Bürgerkrieg

Ein Sprecher der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDLP), der größten nordirischen Oppositionsgruppe, kennzeichnete zu Wochenbeginn den Ernst der Lage mit dem Satz: „Die Frage heißt jetzt nicht, ob wir einen Bürgerkrieg erleben werden, sondern wann.

Krisenherde der Woche

Die USA haben, wie Nixons Berater Kissinger am Wochenende erläuterte, „einigen Grund zur Annahme“, daß Nordvietnam bei den kommenden Pariser Vietnamgesprächen eine positivere Haltung als bisher einnehmen werde.

Japan: Ende der Ära Sato

Mit 282 Stimmen wählte die regierende Liberaldemokratische Partei Japans (LDP) Mitte voriger Woche im zweiten Wahlgang den 54jährigen Handels- und Industrieminister Kakuei Tanaka zu ihrem neuen Vorsitzenden.

Die Zeit drängt

Klaus von Dohnanyi und seine Mannen sind bescheidener geworden. Das Dringlichkeitsprogramm der Bildungspolitiker für Kindergärten, Schulen und Universitäten, über das sich Bund und Länder in der vergangenen Woche einigten, ist Beispiel für diese unter den sozial-liberalen Reformern neuerdings wieder zu Ehren gekommene Tugend.

Makart ist wieder da

Salonkunst: dieses Wort, beladen mit dem Bannfluch mehrerer Generationen, hat für uns seine Schrecken verloren. Wir betrachten heute die malerischen Hervorbringungen der Gründerzeit, die seit einigen Jahren mit Nachdruck in die Gegenwart apportiert werden, ohne Gefühlsaufwallung aus höflicher Distanz.

Abroad • Del extranjero • De l’étranger: Die Musik zieht den Frack aus

Bei der Fülle des Musikangebots in den Wochenendvorschauen der Londoner Zeitungen ist schon manche Wahl zur Qual geworden. Den eigentlichen Reichtum dessen aber, was die europäische Musikhauptstadt bietet, ermißt man erst, wenn man alle normalen Konzerte der etablierten Orchester und Ensembles in den drei regulären Sälen südlich der Themse einmal beiseite läßt.

Herakles und die Obristen

Herakles, der schon zu Lebzeiten vieles erduldete, wie es im homerischen Hymnos heißt, hat auch nach seinem Tode vieles erdulden müssen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Zum erstenmal war dieser schlaksige Ire mit der Schiebermütze in der Fernsehsendung „Wünsch dir was“ aufgefallen, und mit Recht: einen Mann von solcher Musikalität hat es ein paar Jahre nicht gegeben.

Kunstkalender

Kaum vorstellbar, daß die Mitmachmasche, die von der Drogistenzeitung bis zum Fernsehen so froh verkrampfte Urständ feiert, auch einmal: ein so rundum interessantes und lebendiges Ergebnis haben kann wie in diesem Fall.

FILMTIPS

„Ludwig“, von Hans-Jürgen Syberberg. Ein Kompendium des 19. Jahrhunderts, in dessen extreme Künstlichkeit und ironisch zitierten Bildungswust man sich trotz zweieinhalb Stunden immer wieder vergafft.

ZEITMOSAIK

Obwohl niemand bezweifelt, daß Ezra Pounds Werk für die moderne Lyrik mehr bedeutet als das irgendeines anderen-Poeten – so nebenher hat Pound ja gewissermaßen die wichtigsten Gedichte T.

Parteilich und volksverbunden

In Ostberlin fand in der letzten Woche die 6. Tagung des ZK der SED statt, von der richtungsweisende Äußerungen über eine neue Kulturpolitik der DDR erwartet wurden.

für und gegen: Radikale als Lehrer

Was sonst schwer möglich, da oft so genau gar nicht zu sagen ist, ist hier nötig: nämlich anzugeben, woher ich die Argumente habe.

Lachen über einen guten Witz

Der Schüler Horst besichtigt mit seiner Klasse die Stadt Augsburg und stellt dann fest: „So herrscht hier noch Zucht und Ordnung.

Frag nach bei den Hopi-Indianern

Wenn eine wissenschaftliche Annahme so oft zitiert wird und an so verschiedenen Stellen Eingang gefunden hat wie die Sapir-Whorf-Hypothese (man findet sie heute in Übersetzungslehrbüchern ebenso selbstverständlich wie in der Diskussion um die Sprachbarrieren), so wird es Zeit, sie zu überprüfen.

Der Einbruch der Sexualmoral

In mehrfacher Hinsicht erlangten Bronislaw Malinowskis anthropologische Forschungen Gewicht für den jungen Wilhelm Reich und seine sexualökonomische Theorie.

Lauter kleine Western

Das Vergnügen beginnt mit dem Schutzumschlag, den man zu einem großen farbigen Western-Poster entfalten kann. Und das Buch ist weniger ein „Lexikon der amerikanischen Pioniergeschichte“, wie der Untertitel verspricht (H.

KRITIK IN KÜRZE

„Winckelmann“, eine Biographie von Wolfgang Leppmann. Winckelmann, wie viele andere deutsche Aufklärer, gehört nicht zur klassischen deutschen Literatur wie Herder, Wielanc, Lessing.

Familientag im Chorherrenstift

Die Familie, einst vielgerühmter Hort der Ehegatten und des Kindes, entpuppte sich im Drama der Jahrhundertwende als ein psychisches Schlachtfeld.

Fernsehen:: Beichtstuhl und Bordell

Es werden immer mehr. Zwischen 1956 und 1961, in einer Zeitspanne von fünf Jahren also, wurden insgesamt 14 947 Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer gestellt – 1970 stieg ihre Zahl sprunghaft auf 19 363, im vorigen Jahr auf 27 657.

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