Nebenkanzler Helmut Schmidt: Schillers Nachfolger soll im Dezember die Bundestagswahl für die Koalition gewinnen

Unter den Verteidigungsministern der Bundesrepublik Deutschland hat Helmut Schmidt die kürzeste Zeit amtiert Nur zögernd hätte er vor weniger als drei Jahren ein Amt übernommen, daß ihm Jahre vorher erstrebenswerter erschienen sein mochte. Dem Drängen des Bundeskanzlers, seiner Fraktion und der Öffentlichkeit glaubte er sich aber nicht entziehen zu dürfen. Innerhalb der sozialliberalen Koalition gab es keinen anderen Politiker von Gewicht, der auf das Amt so eindeutig vorbereitet war wie er. Und einen Politiker von Autorität und Erfahrung verlangt dieses Amt.

Die Soldaten der Bundeswehr sahen dem ersten sozialdemokratischen Verteidigungsminister der Bundesrepublik - dem zweiten in der deutschen Geschichte überhaupt – mit großen Erwartungen entgegen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Nach seiner Zusage hat sich Schmidt mit der ihm übertragenen Aufgabe voll identifiziert und seine Kraft bis an die Grenzen der Gesundheit für die Bundeswehr eingesetzt.

Die Amtszeit des Verteidigungsministers Helmut Schmidt kann man am besten mit den Worten „Kontinuität und Bewegung“ beschreiben: Kontinuität in den Grundfragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie in dem Verständnis der Aufgaben der Bundeswehr als Instrument der Friedenserhaltung, Abschreckung und Verteidigung; Bewegung vor allem in den die Menschen berührenden Tragen der Streitkräfte, wie Wehrgerechtigkeit, Bildung und Ausbildung, Personalstruktur und soziale Fürsorge.

Mit der „kritischen Bestandsaufnahme“ fing es an. Die Ergebnisse und die daraus zu ziehenden Konsequenzen wurden in einem umfangreichen Weißbuch veröffentlicht. Es war dies die erste einer Reihe von Veröffentlichungen (scherzhaft Schmidts „Bunte Bücher“ genannt, in denen Vorstellungen, Vorschläge und Absichten für Veränderungen in der Bundeswehr der Öffentlichkeit unterbreitet wurden.

Zwei Entscheidungen des Ministers sind es vor allem, die das Leben der Truppe in den nächsten Jahren tief beeinflussen werden.

Mehr Wehrgerechtigkeit war eine zwingende politische Forderung, um die Wehrpflicht überhaupt erhalten zu können. Sie konnte nur durch Verkürzung des Grundwehrdienstes und die Einberufung von bisher eingeschränkt Tauglichen verwirklicht werden. Dies wiederum erforderte eine Überprüfung und Neuordnung der Ausbildungsgänge, besonders im Heer.