„Winckelmann“, eine Biographie von Wolfgang Leppmann. Winckelmann, wie viele andere deutsche Aufklärer, gehört nicht zur klassischen deutschen Literatur wie Herder, Wielanc, Lessing. Goethe hat ihn bewundert und gewirdigt, aber er galt nur als Bahnbrecher für Altertumswissenschaft und Kunstgeschichte, trotz der großen Biographie von Carl Justi. Der unbefangenere Blick eines amerikanischen Germanisten hat ihn nun richtig placiert: in den geistesgeschichtlichen Zusammenhang und in die Epoche, der er, nach Hegels Wort, für den Geist ein neues Organ und ganz neue Betrachtungsweisen zu erschließen wußte. Was Winckelmann in die europäische Tradition einbrachte, war der produktive Enthusiasmus für die Antike an Stelle gelehrter Kleinkrämerei. Dazu mußte er freilich das heimatliche Preußen und das gastfreundliche Sachsen verlassen – er ging in die Metropole Rom und erzog sich vom Antiquar zum Weltmann. Leppmann hat von den angelsächsischen Kollegen das amüsante Erzählen, den anekdotischen Blick gelernt, bei gründlicher sachlicher Fundierung und einer aus vielen Einzelstudien genährten Epochenkenntnis. So erweitert sich die an sich schon fesselnde Biographie des abenteuernden Antike-Liebhabers zum Panorama, in dem Könige und Kardinäle ihre Rolle spielen, bis zum dramatischen Schluß, dem Tod Winckelmanns durch Mörderhand. (Propyläen Verlag, Frankfurt/Berlin/Wien; 305 S., Abb., 28,– DM) Werner Ross