Neu in Museen und Galerien:

Hamburg Bis zum 10. August, Westbankschalterhalle im Altonaer Einkaufszentrum: "Schiffe und Häfen"

Kaum vorstellbar, daß die Mitmachmasche, die von der Drogistenzeitung bis zum Fernsehen so froh verkrampfte Urständ feiert, auch einmal: ein so rundum interessantes und lebendiges Ergebnis haben kann wie in diesem Fall. Dieser Fall: das ist der Mal-Wettbewerb "Schiffe und Häfen", zu dem der "stern" zusammen mit dem Altonaer Museum und der Westbank im vergangenen Jahr eingeladen hatten. Das Thema wurde gestellt, in der Technik aber war alles (innerhalb der Formatgrenzen 1,20 mal 1,20 m) zugelassen, jeder Stil, jedes Material. Bei Einsendeschluß waren 11130 Kunstwerke eingegangen (mit der Hälfte hatte man gerechnet), und die Jury war ratlos–vor allem auch deswegen, weil die Durchschnittsqualität höher war als erwartet. Die 150 prämiierten und für eine Wanderausstellung ausgewählten Arbeiten, die jetzt zu sehen sind, sind schlicht und rund ein Vergnügen und obendrein noch gut für manche interessanten Fragen. Warum, zum Beispiel, ist diese Veranstaltung zu einem Fest der "Naiven" geworden (womit die Veranstalter freilich gerechnet hatten)? Warum hat gerade dieses Thema so hundertprozentig fröhliche Sehnsüchte malerische Realität werden lassen? Warum haben so viele Hausfrauen (die ein knappes Viertel der Teilnehmer stellen) mitgemacht? Was eigentlich macht den Reiz dieser "Naiven" aus, die wie Thomas Grochowiak (ein Spezialist dieses Themas und Leiter der Kunsthalle Recklinghausen) sagt, "keinen Stil, aber ihre Handschrift" haben? Vielleicht ist es, um wenigstens auf die letzte Frage eine Antwort zu versuchen, genau das: Menschen, die nicht gebaut sind für die Mischung aus Springprozession und Diktatur, die das offizielle Kunstgeschehen von heute darstellt, wurden aufgefordert, Mut zu sich selber zu haben.

Petra Kipphoff

München Bis zum 1. Oktober, Deutsches Museum (Bibliotheksbau): "100 Jahre deutsche Ausgrabung in Olympia"

Schon Winckelmann war überzeugt, daß "durch genaue Untersuchung dieses Bodens der Kunst ein großes Licht aufgehen würde" (1767), eine französische Expedition führte im Jahr 1829 kursorisch eine Grabung durch, aber erst der deutsch-griechische Vertrag von 1874 ermöglichte die systematische Ausgrabung der antiken Kultstätte. Ernst Curtius, der jahrzehntelang für das Projekt geworben hatte, war am Ziel: Olympia, "ein heiliger Boden", sollte nicht länger unter dem Schlamm des Alpheios verborgen bleiben. Am 4. Oktober wurde der erste Spatenstich getan, am 21. Dezember die Nike des Paionios gefunden – ein glückliches Vorzeichen. Bis zum Frühjahr 1881 konnte im Verlauf von sechs Grabungskampagnen ein Großteil des Geländes aufgedeckt werden, eine archäologische Großtat, verbunden mit den Namen Wilhelm Dörpfeld und Adolf Furtwängler. Die 1936 wiederaufgenommenen, hauptsächlich der Erforschung des Stadionbezirks gewidmeten Grabungen sind vor wenigen Jahren zu ihrem Abschluß gelangt. Die Geschichte der Wiederentdeckung Olympias ist ein faszinierendes Kapitel wissenschaftlichen Fleißes, und der Ausstellung gelingt es eine Vorstellung davon zu vermitteln. Das Konzept (Berthold Fellmann) ist überlegt und präzis, die Gestaltung (Franz Wischnewsk.) unaufdringlich und zweckdienlich: Keine Thesen, dafür ein Thema, wenig Repräsentation, aber eine besucherfreundliche Präsentation. Dokumente, Fundstücke, meist in Kopien oder Abgüssen, Photos (auch ein Modell der ursprünglichen Anlage) sind zu sehen und bilden ein übersichtliches, informatives Ganzes. Glanzstück: eine originalgroße Rekonstruktion des Westgiebels vom Zeus-Tempel, in mehreren Metern Höhe angebracht, um andeutungsweise die einstmalige Wirkung vorzuführen.

Helmut Schneider