ARD, Sonnabend, 8. Juli: „Das Wort zum Sonntag“, von Theresia Kretzschmann

Sie hatte es ja auch wirklich nicht leicht. Für das Niveau auf diesem. Kanal an diesem Abend hatte zuvor Ivan Rebroff mit Bär, Bart und Gesang gesorgt, mit Gregory Pecks, des Pistolenhelden aufregender Flucht zu der versteht lebenden Frau und dem Kind würde es sich fortsetzen, und da sollte sie nun fünf Minuten noch mehr zu Herzen Gehendes sprechen, fünf Minuten lang. Woher nimmt man da ein Thema?

Sie, die Priorin des Karmelitinnenklosters zu Erlangen, tat, was üblich ist seit geraumer Zeit in ihrer Umgebung: Sie griff mitten hinein in das, was die Kirche so das Leben nennt. Das Leben ist in diesem Fall seit fünfzehn Jahren verheiratet, der Mann arbeitet natürlich in der Industrie, das Paar hat drei Kinder, und der Älteste, was wunder, ist etwas schwierig: „Ich hatte schon lange den Eindruck, daß die ganze Familie vor dem Urlaub ein bißchen Angst hat.“

Nicht nur ein bißchen, wie sich herausstellt. „Dieser Urlaub ist ein Unglück“, erfuhr die Priorin, während sie gerade „dem gleichmäßigen Geräusch der Autobahn nachhörte“ und sich dabei „ein bißchen dem Fernweh überließ“, am Telephon, denn: „Wir haben zwei Zimmer, eines für uns und eines für die Kinder. Ich kann nie allein sein, und wir nehmen ja unsere ganze Problematik mit und sind dem noch viel stärker ausgeliefert als sonst.“ Und selbst ein Opfer hilft hier nichts mehr: „Damit es keine allzu großen Spannungen gibt, will ich ja alles ertragen, aber bis der Urlaub vorbei ist, bin ich krank. Niemand nimmt Rücksicht auf mich.“ Soweit das Leben.

Falls Sie vor, in und nach Ihrem Urlaub keine anderen Sorgen haben; falls Sie sich noch wundern, daß Sie nie allein sein können und niemand Rücksicht nimmt, wo Sie doch, eine gute katholische Frau, alles ertragen wollen; falls Sie trotzdem einmal frei sein wollen, „Zeit haben für sich, tun und lassen können, was man will“ (das ist Ausschweifung, Schwester!): fragen Sie Schwester Theresia (Adresse: Erlangen, Forchheimer Straße 27, Tel.: 4 37 37), sie gibt Ihnen, mit leiser Stimme, aber mit jener frommen, fast schon fanatischen Sicherheit und Unnachgiebigkeit, die jeden zwingt, sich retten zu lassen, Tips für Ihren Urlaub, beispielsweise diesen: „Sollten wir nicht einmal versuchen, ganz stille zu werden? Und den Urlaub zu nutzen, hinzuhören auf die leisen Stimmen in unserem Herzen, die leise Stimme, die uns bezeugt: Es gibt noch einen Sinn in unserem Leben, der über alles Vordergründige hinausführt?“ Und auch ohne daß Sie freundlich bitten, verrät Ihnen Schwester Theresia: „Ich nenne diesen Sinn: Gott.“

Wenn dem Evangelischen Pressedienst zu glauben ist, und dem steht nichts Grundsätzliches im Wege, will Pfarrer Sommerauer demnächst bei seinen Behandlungen von Eheproblemen auf dem Bildschirm sich von Adam und Eva, zwei Figuren aus der Augsburger Puppenkiste, helfen lassen.

Warum in aller Welt sollen religiöse Sendungen denn immer nur zum Weinen sein.

Heinz Josef Herbort