Die Regierungsumbildung war erwartet worden, aber der Zeitpunkt überraschte. Einen Tag nach den deutschfranzösischen Konsultationen nahm Frankreichs Staatspräsident Pompidou die Demission von Premierminister Jacques Chaban-Delmas an. Zu dessen Nachfolger ernannte er den bisherigen Minister für Überseegebiete und langjährigen Verteidigungsminister (Februar 1960 bis Juni 1969), Pierre Messmer.

In dem von 41 auf 30 Minister und Staatssekretäre verkleinerten Kabinett behielten Maurice Schumann (Außen), Michel Debré (Verteidigung), Raymond Marcellin (Innen) und Valéry Giscard d’Estaing (Wirtschaft und Finanzen) ihre Ämter. Aufsehen erregte dagegen die Berufung des ehemaligen Regierungschefs Edgar Faure zum Minister für soziale, Angelegenheiten.

Die Ernennung des unbeirrbaren Gaullisten Messmer wird als Rückkehr zu den Regierungsprinzipien General de Gaulles interpretiert. Faure fällt in dieser Regierung die Aufgabe zu, die sozialen Reformen energischer voranzutreiben.

Das Kabinett Chaban-Delmas’ („Charmant-Delmas“) hatte in den letzten Monaten zunehmend Schwäche gezeigt.