Die deutsche Mineralölindustrie führt einen langen, wenn bislang auch weitgehend vergeblichen Kampf gegen die „weißen“, also nicht marken- und konzerngebundenen Tankstellen. Die freien Zapfstellen nutzen den Vorteil billiger Importe zu Preisunterbietungen aus und haben sich auf dem Benzinmarkt einen Anteil von rund 25 Prozent erobert. Sie können so billig sein, weil sie weder ein aufwendiges Vertriebsnetz noch eine Forschungsabteilung unterhalten und sich schwerpunktmäßig in den Zentren des Verbrauchs ansiedeln.

Durch die Verteuerung des Rohöls nach den Verhandlungen mit den erdölfördernden Ländern in Teheran und Tripolis stiegen die Einstandspreise auch für die freien Tankstellen. Die im Mineralölgeschäft mit roten Zahlen arbeitenden Konzerne konnten hoffen, daß der Vormarsch der billigen Konkurrenz nun endlich gebremst sei. Doch gerade da gab Bonn ein Importkontingent billigen Benzins aus der DDR frei.

Wenn die Regierung angesichts des allgemeinen Preisauftriebs mit dieser Maßnahme einer von den Konzernen schon oft angekündigten Erhöhung der Benzinpreise einen Riegel vorschieben wollte, könnte man die Importfreigabe noch als aktive Preispolitik werten. Völlig unverständlich aber ist, daß Bonn dabei den gerade erst entdeckten Umweltschutz wieder vergißt. Denn während die deutschen Benzinerzeuger mit hohen Kosten und mit Rücksicht auf die reine Luft den Bleigehalt des Benzins von bisher 0,4 auf 0,15 Prozent herunterdrücken müssen, darf der aus der DDR importierte Kraftstoff mit 0,5 Prozent Bleigehalt auf den Markt kommen. Ob man in Bonn der Ansicht ist, daß Ost-Blei weniger giftig ist? mh