Die kurhauslose, die schreckliche Zeit ist nun zu Ende. Von den Badegästen im Laufe des Frühsommers schon etappenweise in Besitz genommen, wurde das in mehrjähriger Bauzeit entstandene Kurhaus von Badenweiler nun auch offiziell eröffnet. Das Haus ist „nicht wie aus einem Guß, aber das ist das Liebenswerte daran“, erläuterten die für das Bauwerk verantwortlichen Architekten. „... es gibt Brüche“, ergänzten sie mit Bekennermut und übersetzten das souverän mit „Lebendigkeit“.

Freundliche Umschreibungen für eine Reihung von Inkonsequenzen, für Hingabe in moderne Formen und Zugeständnisse an konservative Üblichkeiten. Deutliches Resultat der Auseinandersetzung für oder gegen das, was die Planer „Traulichkeitsquotient“ nennen.

Das modernste, um nicht zu sagen progressive Kennzeichen des Neubaus ist die nicht gebaute, nie geplante Tiefgarage. Ihr Fehlen wird von vielen mißverstanden, denn „auf die paar Mark wäre es bei einem 18-Millionen-Bau schließlich auch nicht mehr angekommen“. Aber auf diesem Gebiet ticken in Badenweiler bereits die Uhren von übermorgen. Das Problem, an dem Großstadtplaner vorerst nur zögernd knabbern, die innere Befreiung des Kurgastes von der Sklaverei der Vierrädrigkeit, ist hier gelöst.

Deshalb ist im neuen Kurhaus auch keine „Mehrzweckhalle“ eingebaut, die in Bedarfsfalle als Tagungsstätte verwendet werden könnte, denn „Tagungsteilnehmer sind erfahrungsgemäß nicht bereit, auch nur einen Meter zu Fuß zu gehen“. Und das in diesem Falle um so weniger, als das neue Kurhaus, das eigentlich gar kein Haus, sondern eine überaus attraktive Terrassenkombination ist, allein schon Terran für eine kleine Fußwanderung bietet. Und von daher gesehen ist der Neubau ein ganz großer Wurf: Man kann ganze Tage darauf verwenden, innerhalb der Anlage immer wieder neue Wege zu erkunden, und das ist für die Dauer einer Vierwochenkur schon eine ganze Menge Abwechslung. U. Sch.