Manfred Singer scheut Superlative. Der Managementdirektor von Klinger-Reisen gibt zu bedenken, daß das Würzburger Touristikunternehmen strenggenommen kein kleiner Veranstalter, wenn zugegebenermaßen auch keiner der Giganten wie TUI oder Neckermann ist. Vielleicht der größte unter den kleinen? Singer: „Einer der größten.“ Jedenfalls aber der größte Busreiseunternehmer in der Bundesrepublik, der größte Veranstalter im Incoming-Geschäft, also in der Betreuung ausländischer Reisegruppen, der größte Schul-Skireisen-Organisator? Singer: „Einer der größten.“

Der Anfang war – bald nach dem Zweiten Weltkrieg – ein lokales Busunternehmen mit einigen Linienkonzessionen Die ersten Reisen waren Sonntagsnachmittagsausflüge in die Umgebung. Daraus hat sich ein Touristikunternehmen von imponierenden Ausmaßen und einem lückenlosen Angebot auf allen Gebieten moderner Reiseplanung entwickelt: Klinger-Reisen.

Die Klinger-Gruppe umfaßt elf Reisebüros mit der Zentrale in Würzburg und eigenen Buchungsstellen in Frankfurt und Schweinfurt sowie neuerdings einem IT-Büro in München. Zu der Gruppe gehören das DER-Reisebüro Riedel in Frankfurt am Main und Neu-Isenburg, der Charterflugveranstalter Air Touristik in Saarbrücken, das Hotel Tauernhof im österreichischen Flachau mit rund 40 000 Übernachtungen seit der Eröffnung im Dezember 1970, ferner das Feriendorf El Cardo in Rosas an der Costa Brava sowie die Autobusgesellschaft Estenfeld.

Die rollende Klinger-Flotte ist auf Ausflugsfahrten und Studienreisen in ganz Europa zwischen Marokko und dem Nordkap unterwegs. Es gibt über 100 Busse mit Klimaanlage und Liegesitzen, viele mit Kühlschrank und Toilette. Sie fahren in der Hochsaison Strecken von täglich mehr als 40 000 Kilometern. Das ist soviel wie einmal rund um den Erdball.

Die Stärke des Unternehmens ist die Routine der touristischen Maßkonfektion. Klinger erfüllt jeden, auch den ausgefallensten Reisewunsch mit seinem Potential an Erfahrungen und hauseigenen Kapazitäten. (Singer: „Alles in einer Hand.“) Klinger fährt zum Beispiel die Freiwillige Feuerwehr in den Schwarzwald, das Priesterseminar nach Loreto, den Studienrat in die Toskana, den Großwildjäger nach Schwarzafrika, den Aufsichtsratsvorsitzenden an die Costa Smeralda, die Sekretärin an die Adria. Jüngst wurde im jugoslawischen Adriadorf Portoroz der fünfzigtausendste Klinger-Reisegast (seit 1960) gefeiert.

Klinger veranstaltet Studienreisen und Badereisen, Charterflugreisen und IT (Inclusive Tours-)Reisen, Gebirgsreisen und Kurzreisen. Man kann mit Klinger-Bussen (ab Würzburg und Schweinfurt) für 64 Mark eine Woche Urlaub im Fichtelgebirge machen. Es gibt klassische Griechenlandreisen (drei Wochen Vollpension: 1098 Mark), Wochenendfahrten nach Prag (zweieinhalb Tage mit Vollpension und Reiseleitung: 79 Mark), kombinierte Bus-Schiffs-Reisen zu den Kanarischen Inseln mit acht Tagen Badeaufenthalt in Las Palmas (insgesamt 24 Tage mit Vollpension auf. dem Schiff: 498 Mark), Ostafrikasafaris in verschiedenen Variationen mit Aufenthalt in Nairobi oder Badeferien in Mombasa (16. Tage von und bis München: 1432 beziehungsweise 1995 Mark).

Bei der Größe und der ineinandergeschachtelten Vielfalt der Unternehmensgruppe lassen sich Buchungsaufkommen und Umsatz insgesamt kaum zuverlässig erkennen. Der Managementdirekter ist überfragt. Auch Reisebürochef Willi Schorn, von ihm einmal daraufhin angesprochen, hätte es ihm nicht sagen können. Bleibt die vorsichtige Schätzung. Klinger wird ohne Incoming ungefähr eine Viertelmillion Buchungen haben, mit Incoming vermutlich das Doppelte. Der Gesamtumsatz liegt, noch vorsichtiger geschätzt, wahrscheinlich um 30 Millionen Mark pro Jahr.

bo