Notorische Pessimisten glaubten bis zum Schluß daran, daß der Erdgas-Röhren-Vertrag zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion noch scheitern könnte. Wie beim ersten Vertrag vom Februar 1970 einigten sich die Vertragspartner diesmal auch wieder auf ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. Deutschland liefert Rohre und die Sowjetunion bezahlt mit wertvollem Erdgas.

Gerade die Form der Bezahlung machte die Experten so sicher, daß sich Deutschland und die Sowjetunion einigen würden. Theoretisch hätten sowohl die Japaner wie die Italiener die von den Russen gewünschten Rohre bauen können. Die Italiener übrigens mit Anlagen, die sie erst vor ein paar Jahren beim deutschen Röhrenexperten Mannesmann gekauft hatten. Doch weder nach Japan noch nach Italien hätte das Erdgas auf ähnlich unkomplizierte Art transportiert werden können wie nach Deutschland.

Bereits ab Oktober wird in Süddeutschland Sowjetgas an die Industrie und an Haushalte geliefert. Vor ein paar Tagen hat die Pipeline aus Rußland die deutsch-tschechische Grenze überquert. In Waldhaus/Oberfanken wird die Pipeline aus Rußland demnächst an das Netz der Ruhrgas AG angeschlossen. Im Vertrag von 1970 hatten sich die Sowjets verpflichtet, jährlich drei Milliarden Kubikmeter Methan nach Deutschland zu pumpen. Nach der jetzt unterzeichneten Vereinbarung steigt die Liefermenge auf sieben Milliarden Kubikmeter. Gemessen am Gesamtverbrauch von Primärenergie ist der Anteil der Sowjets an den Lieferungen gering. So rechnet man 1980 mit einem Verbrauch von 50 Milliarden Kubikmeter Erdgas (elf Prozent der gesamten Primärenergie), davon stammen 18 Milliarden Kubikmeter aus deutschen Quellen und knapp 25 Milliarden liefert Holland.

Über die Konditionen des deutschsowjetischen Vertrages wahren beide Partner strenge Diskretion. So ist auch jetzt noch nicht bekannt, mit wieviel Prozent die Herstellung und Lieferung vorfinanziert werden. Die Sowjets, so hieß es, wollten nicht mehr als sechs Prozent zahlen, während das Bankenkonsortium mehr forderte. Nun sagt man, daß die Arbeitsgemeinschaft (Mannesmann Export AG/Thyssen Stahlunion Export GmbH) von sich aus den Zins um 0,25 Prozent erhöht hat.

Von den Russen weiß man hingegen, daß sie eine Preisgleitklausel für ihr Erdgas durchsetzen konnten. Zukünftig richtet sich der Preis für Erdgas nach den Notierungen für schweres Heizöl, ein Verfahren, das die Holländer schon früher praktizierten. mhe