Wer Phantasie ohne Kenntnisse besitzt, hat Flügel, aber keine Füße. Joubert

Kein Preis für Pound

Obwohl niemand bezweifelt, daß Ezra Pounds Werk für die moderne Lyrik mehr bedeutet als das irgendeines anderen-Poeten – so nebenher hat Pound ja gewissermaßen die wichtigsten Gedichte T.S.Eliots, vor allem das „Waste Land“ mitgeschrieben –, wurde der Antrag, ihm nach 23 Jahren zum ersten Male wieder einen Preis, nämlich die Emerson-Thoreau-Medaille der amerikanischen Akademie für Kunst und Wissenschaft, zu verleihen, im Verleihungsausschuß mit 13 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Pound – so die Begründung – sei Faschist und Antisemit gewesen. Die ganze Affaire wurde publik durch den wütenden Rücktrittsbrief des MIT-Professors Jerome Lettvin, der der Akademie vorwarf: „Ihnen geht es nicht um Kunst, sondern um Politik, nicht um Geschmack, sondern um Privatinteressen, nicht um geniale Leistungen, sondern um gutes Benehmen.“ Der Professor benahm sich schlecht. Sein Austritt aus der Akademie war folgerichtig. Leute, die sich schlecht benommen haben, dürfen mit Nachsicht erst rechnen, wenn sie schon so lange tot sind wie François Villon.

Hetze gegen Böll

Am 3. Juli schrieb uns der Zürcher Rechtsanwalt Fritz Heeb, der die Interessen des sowjetischen Schriftstellers Alexander Solschenizyn in Westeuropa vertritt:

In der „Berliner Morgenpost“ vom 22. Juni 1972 erschien, wie ich soeben erfahre, unter dem Titel „Ausgerechnet Böll“ ein Angriff auf diesen Schriftsteller, der mich zu einer Erklärung herausfordert. Es wird behauptet, Heinrich Böll habe Alexander Solschenizyn „in beschämender Weise im Stich gelassen“. Er habe als Vorsitzender des Internationalen PEN-Zentrums geschwiegen, als es darum gegangen sei, Solschenizyn in Moskau den Nobelpreis zu übergeben.

Als Anwalt Alexander Solschenizyns fühle ich mich persönlich verpflichtet, solcher Diffamierung Heinrich Bölls entgegenzutreten. Heinrich Böll hat sich Solschenizyn gegenüber in außergewöhnlicher Weise hilfsbereit gezeigt, und zwar durch Taten, nicht durch bloße Worte. Ihn zu beschuldigen, Solschenizyn im Stich gelassen zu haben, ist angesichts der Tatsachen eine krasse Unwahrheit.