Der Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz, Hans Friderichs, hat das Angebot von Wirtschafts- und Finanzminister Helmut Schmidt abgelehnt, als Staatssekretär für den mit Karl Schiller ausgeschiedenen Johann Baptist Schöllhorn nach Bonn zu kommen. Deshalb liegt die währungspolitische Last bei dem auf diesem Gebiet nicht sonderlich erfahrenen One-Dollar-Staatssekretär Sdmidts, dem ehemaligen Industrie-Manager Ernst-Wolf Mommsen. Schmidt sucht offenbar nun keinen Nachfolger mehr für Schöllhorn. Es wird erwogen, bei akuten Währungsfragen einen „maßgeschneiderten Banker von Rang“ als eine Art „Staatssekretär zur besonderen Verfügung“ einzusetzen.

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Ungeachtet seiner neuen Würde als Superminister für Wirtschaft und Finanzen, nahm Helmut Schmidt nicht an der Londoner Tagung der Finanzminister der EWG teil, sondern überließ Mommsen das Feld. Schmidt bereiste statt dessen noch in der Rolle des Verteidigungsministers Kanada und die USA. Auf der Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds im September in Washington wird Schmidt jedoch auf alle Fälle an Deck sein. Bis dahin wird sich erweisen, ob eingetroffen ist, was Schmidt der Opposition weissagte: „Barzel, Narjes und Strauß werden sich wundern.“

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Beim Deutschen Bauernverband beginnt das Gerangel um die im kommenden Herbst zur Neuwahl anstehenden Präsidentenposten. Präsident Constantin Freiherr Heereman von 2uydtwyck, dem man Interesse an einem CDU-Bundestagsmandat nachsagt, ist allerdings in seiner Position unangefochten. Er wird sich der Wiederwahl stellen und hat kaum mit einem Gegenkandidaten zu rechnen. Anders sieht es bei den Vizepräsidenten aus. Der Verband hat vier Vizepräsidenten; aus Bayern kommt Otto Freiherr von Feury, aus Baden-Württemberg Carl Dobler, aus Schleswig-Holstein Hans-Jürgen Klinker und aus der Pfalz Edgar Janson.

Beim Landesverband des Niedersächsischen Landvolks hört man, daß dessen Präsident Heinz Bockhop großen Wert darauf legt, daß die Niedersachsen mit einem Vizepräsidenten im Bundesverband vertreten sind. Dann aber müßte einer der vier derzeitigen Vizepräsidenten verzichten. Aussichtsreichster Verzichtskandidatist Hans-Jürgen Klinker, radikaler Präsident aus Schleswig- Holstein. Freiwillig wird Klinker, der zugleich CDU-MdB ist, seinen Posten allerdings kaum zur Verfügung stellen. Bei der dans notwendigen Kampfabstimmung wird sich zeigen, ob die gemäßigten Kräfte im Bauernverband gegenüber den oft als „Klinker-Riege“ apostrophierten Radikalen eine Mehrheit haben. Gesetze dem Parlament vorzulegen, sind offenbar wenig stichhaltig. Der Chefplaner im Kanzleramt Raimut Jochimsen, ging jedenfalls zum Wochenbeginn erst einmal in Urlaub. Auch wenn das Kabinett publikumswirksame Gesetze noch rasch beschließen wollte, würden die komplizierten Fristen für eine Einbringung in Bundesrat und Bundestag eine Verabschiedung kaum noch möglich machen. Selbst wenn die Koalitionsparteien etwaige Pläne als Initiativ-Entwürfe ins Parlament einbringen und die CDU/CSU auf die dann mögliche Fristeneinrede verzichten würde, bleibt für ein Durchpeitschen der Gesetze kaum genügend Zeit. In der Koalition konzentriert man sich deshalb vor allem auf den „Gesetzesschlager“, der schon im Parlament liegt und dem sich auch die Opposition nicht verschließen kann: Die Rentenreform mit dem 20-Mark-Bonus für alle Rentner, mit dem Babyjahr und der flexiblen Altersgrenze. Ein Mitglied der SPD-Fraktion: „Und diesen Heuler bekommen wir durch.“