Mit einer Gewaltkur will Eugenio Cefis, Präsident der Montecatini Edison SpA, Mailand, sein Unternehmen sanieren: Cefis ließ kurzerhand fünf der unrentablen Betriebe schließen.

Von den 193 Betrieben der Montedison-Gruppe arbeiten rund 40 Fabriken mit Verlust. Sie gelten als die Ursache dafür, daß Italiens größter Gemischtwaren-Konzern (rund 65 Prozent des gesamten Umsatzes von elf Milliarden Mark stammen aus der Sparte Chemie) täglich zwei Millionen Mark Verlust produziert.

Die Arbeiter der fünf stillgelegten Betriebe dürfen aus arbeitsrechtlichen und politischen Gründen nicht entlassen werden. Deshalb will Cefis den Staat zur Kasse bitten. Entweder soll er die Betriebe in eigener Regie weiter betreiben oder er muß Montedison mit direkten Subventionen den Bau moderner Betriebe ermöglichen.

Unter den kränkelnden Betrieben zählt eine Fabrik in Apuaniä (Düngemittel) zu den ältesten Montedison-Betrieben. Sie brachte neben einem Minus von 1881 Millionen Lire im letzten Jahr auch noch Ärger mit den Umweltschützern.

Mit der Schließung der fünf Betriebe will Cefis zeigen, daß er es mit seiner Forderung nach staatlicher Finanzhilfe ernst meint. In den nächsten sieben Jahren braucht Montedison rund 15 Milliarden Mark.

Wie man mit Politikern verhandelt, weiß Cefis, bis Frühjahr 1971 Präsident der Staatsholding ENI, genau. Er weiß auch, daß Montedison keine andere Wahl hat, als völlig in die Abhängigkeit des Staates zu geraten.

Der Unterschied zur jetzigen Lage wäre nicht sehr groß. Schon heute ist die ENI mit Abstand der größte Montedison-Aktionär. Daß Aktionärssyndikat, das bisher den Einfluß der staatlichen und privaten Aktionäre auf die Geschäftsleitung regelte, ist in diesem Frühjahr nicht mehr erneuert worden. Seither regiert Cefis die Montedison allein. fg