Die zweite Woche Devisenkontrolle in der Bundesrepublik endete so, wie die erste begonnen hatte: mit einer ungeahnten Dollarflut und nur mühsam gehaltenen Niedrigstkursen für die amerikanische Währung. Nach einigen Tagen trügerischer Ruhe überschwemmten am Donnerstag und Freitag vergangener Woche neue Dollarströme die europäischen Devisenmärkte.

Um den Kurs des Dollar nicht unter den im Washingtoner Währungsabkommen vom Dezember 1971 vereinbarten untersten Punkt von 3,15 Mark absinken zu lassen, mußte die Deutsche Bundesbank erneut Riesenbeträge aufkaufen. Damit wuchs der Wert der deutschen Dollarbestände bis zum letzten Wochenende um weitere drei bis vier Milliarden Mark. In der Woche zuvor waren es bereits 2,5 Milliarden Mark gewesen.

Die Frankfurter Devisenkontrolleure mußten machtlos zusehen, wie die von ihnen errichteten Schutzdämme überspült wurden. Denn die Spekulanten nutzten alle ihnen offengelassenen Schlupflöcher aus. So erwarben sie erneut auf Deutsche Mark lautende Auslandsanleihen. Die Spekulanten werden sogar immer unverfrorener: Im Vertrauen auf eine baldige Mark-Aufwertung zahlen sie den Gegenwert ihrer Dollar auf Sichtguthaben ein und verzichten damit auf Zinsen.

Der Bundesbank blieb angesichts der erneuten Liquiditätsschwemme nichts anderes übrig, als die Bremsen erneut fester anzuziehen. Um wenigstens drei Milliarden Mark stillzulegen, wurden die Mindestreserven für Inlandseinlagen um zehn Prozent erhöht. Dieser Satz war bereits Ende Juni um 20 Prozent heraufgesetzt worden.

Doch damit nicht genug. In einem Schreiben an den Bundesverband deutscher Banken warben die Frankfurter Währungshüter um Unterstützung bei den Kreditinstituten. Sie sollen gewisse Auslandsgeschäfte unterlassen, auch wenn sie erlaubt sind. Dabei denkt die Bundesbank an folgende Fälle:

  • Verkauf von Auslandsanleihen an Ausländer,
  • Verkauf von Anteilen an deutschen Renten- und Immobilienfonds an Ausländer,
  • Vermittlung von Auslandskrediten, die unter den Freibetrag der Bardepotverordnung (500 000 Mark) fallen,

Um ihrer Aufforderung zu währungspolitischem Wohlverhalten Nachdruck zu verleihen, drohte die Bundesbank mit negativen Konsequenzen: „Falls sich einzelne Kreditinstitute über unsere Vorstellungen hinwegsetzen sollten, ...müßten wir uns diesen Instituten gegenüber die Überprüfung unserer Kreditfazilitäten vorbehalten.“