Auf dem Ozean: Sport als Abenteuer – Warum die Pen Duick IV gewann

Von Anthony Sanderson

Als Alain Colas, der Sieger im Transatlantikrennen der Einhandsegler, in Newport, dem feudalen Badeort auf Rhode Island, unter der Süßwasserdusche stand und sich nach zwanzig Tagen auf See gleichsam den Ozean von der Haut spülte, lagen die meisten seiner Rivalen noch tausend und mehr Seemeilen zurück auf dem Atlantik, je nach Stand der ihnen entgegenziehenden Tiefs „auf rauher Chaussee“ bei stürmischer Brise oder „wie auf dem Ententeich“ bei Flaute; und manche sind weit nach Süden ausgewichen, um den Passatwind in den Rücken zu bekommen.

Von Leichtwetterlagen nicht behindert, sondern begünstigt, hat Alain Colas, ein 28jähriger Franzose, Lektor für Französisch an der Universität von Sydney, diese vierte Einhandregatta über den Atlantik gewonnen. Sein Boot, die „Pen Duick IV“, hat er nun als „das schnellste Boot auf der Welt“ gepriesen; und wenn man solchen Superlativ auf Ozeanrennen und speziell auf Einhandrennen bezieht, so hat er nicht übertrieben.

Die Distanz von Plymouth, England, nach Newport, Amerika, beträgt, gemessen auf dem Großkreis, der jeweils kürzesten Verbindung zwischen zwei Punkten auf der Erdoberfläche, rund 2810 Seemeilen; eine Seemeile ist 1852 Meter lang. Alain Colas brauchte zwanzig Tage, zwölf Stunden und fünfzehn Minuten, bis er die Zielpeilung am Brenton-Reef-Leuchtfeuer vor Newport passierte. Das ist eine Rekordzeit. Als die erste Transatlantikwettfahrt der Einhandsegler entschieden wurde, 1960, war der Sieger, der berühmte Brite Chichester, vierzig Tage unterwegs gewesen.

Damals galt die Einhandsegelei auf dem Ozean noch als eine eher abenteuerliche als sportliche Angelegenheit. „Einhand“ heißt: einer allein nur sitzt im Boot. Auf die Idee, einhand über den Ozean um die Wette zu segeln, kam der Oberstleutnant H. G. Hasler, unter den Seeseglern als „Blondie“ bekannt. Die Londoner Sonntagszeitung „Observer“ griff die Idee auf. Sie stiftete tausend Pfund Sterling für den Sieger und 250 Pfund Sterling für jeden anderen, der ankommen würde. Blondie Hasler, acht Tage langsamer als Chichester, wurde Zweiter unter vier Konkurrenten.

Der sportliche Reiz des Einhandrennens über den Atlantik lag und liegt in der Einfachheit der Regeln: Das Ziel, 1960 noch New York, dann Newport, steht fest. Wie man hingelangt, ist gleichgültig. Die Boote können beliebig konstruiert sein. Und der Sieger wird nicht, wie in den üblichen Hochseerennen der von mehreren Mann besetzten Jachten, nach ziemlich komplizierten, die Vermessungsgröße der Schiffe berücksichtigenden Handikap-Formeln errechnet; sondern gewonnen hat eben, wer zuerst eintrifft.