Nicht nur bei den alten Römern anzufangen, wäre bei einem Thema wie den Fußgängerzonen in Köln sittenwidrig. Man sieht die Besatzer förmlich vor dem geistigen Auge einherwandeln, zwischen Skulpturen und unter Kolonnaden, fettbäuchig, gemächlich und sinnenfroh. Ein Erfolg penibler Ausgrabungstätigkeit und der nimmermüden retrospektiven Stadtwerbung.

Die Hohe Straße, die römische Hauptstraße, hatte bereits die von der modernen Konsumforschung als optimal für Fußgängerstraßen ermittelte Breite: Je sechs Meter in den Blickrichtungen links und rechts, damit derzeit die Auslagen der Geschäfte und vordem der künstlerische Schmuck der Hausfronten in die rechte Betrachtung gerückt wurden. Mehr schadete dem Erkennen der Details. Weniger erzeugte Gedränge.

So blieb es durch die Jahrhunderte. Bis in die fünfziger Jahren des laufenden Jahrhunderts sich das Auto die Straße mit Hupen und Schieben zu erkämpfen suchte. Es zog sidi vor dem übermächtigen Fußheer jedoch bald freiwillig zurück auf die allmählich vollendete sechsbannige Nord Süd Stadtdurchfahrt — beweint von Ladeninhabern, die Umsatzrückgänge fürchteten, wenn der Kunde nicht mehr bis vor die Tür fahren könne.

Andere Ladeninhaber kooperierten mit der Stadt, die — zögernd noch — sich zu Sperrung und Plattierung entschloß. Während der Arbeiten 1967 riskierte das Rathaus unter einem neuen Stadtplaner einen großen Sprung nach vorn: Es vertrieb mit einer Finte — Umleitung nur zur Durchführung der Bauarbeiten, die schließlich dauernd wurde — zusätzlich zum Fihrzeugverkehr auf der Hohe Straße auch den lästigen Querverkehr.

So wurde die Hohe Straße, eine der ältesten und eigenwilligsten Stadthandelsstraßen Europas, Kölns erste Fußgängerzone. 400 Meter lang, schön, lebhaft und bunt.

Die weiterführende Schildergasse und einige Nebenstraßen folgten nach demselben Konzept: Beteiligung der Anlieger an den Plattierungskosten. Denn schnell hatten die Nachbarn erkannt, was die Industrie- und Handelskammer erst vor wenigen Wochen offiziell mitteilte: Nachdem die Autos vor der Tür verschwunden waren, stieg der Umsatz der Einzelhandelsbetriebe an der Fußgängerstraße um dreißig bis vierzig Prozent.

Die Fußgängerachse Hohe StraSeSchildergasse ist schon seit einigen Jahren fertig. Mehr hat seither auf sich warten lassen. Zwar wurden sofort Pläne geschmiedet, den derzeit 900 Meter langen autofreien Fußlauf zu einem drei Kilometer langen Ringverkehr auszubauen. Aber die Zeppelinstraße wurde nach dem U Bahn Bau nicht freigegeben. Kaufhäuser hatten dagegen Einspruch - erhoben.