Der internationale Silbermarkt bescherte Spekulanten und Händlern in den letzter; Wochen. eine unerwartete Überraschung, Der Preis für eine Feinunze Silber (31,104 Gramm) stieg an den Metallbörsen von New York und Chicago um 20 Cent auf 1,79 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit April 1971. Für Spekulanten die bei einem „Einschuß“ von 1000 Dollar mit Hilfe amerikanischer Broker am Silberhandel teilnehmen können, bedeutet jeder Cent Preisanstieg einen Gewinn von 100 Dollar.

Experten rechnen mit einem weiteren Preisanstieg in den nächsten Monaten. Ihr Preisziel: 230 bis 3 Dollar pro Unze. Doch das Geschäft am Silbermarkt ist voller Tücken. Zahlreichen Händlern und Spekulanten wurde sie in den letzten Jahren zum Verhängnis.

Im November 1970 mußte das US-Schatzamt seine wöchentlichen Silberauktionen einstellen. Die stetig steigende Nachfrage der Industrie hatte die Staatlichen Vorratskammern nahezu aufgezehrt. Durch die Verkäufe staatseigenen Silbers konnte bis dahin der Bedarf bei stabilen Preisen gedeckt werden. Die Nachfrage, rechneten damals die Spekulanten, würde schon bald das Angebot erheblich überschreiten, der Preis für Silber müßte folglich steigen. Ein Silberrausch, an dem auch viele Sparer teilnahmen, die sich innerhalb weniger Wochen ein Vermögen verdienen wollten, war die Folge.

Tatsächlich aber brach die Spekulation nach kurzer Zeit wider zusammen. Der Preis pro Unze fiel von 1‚80 Dollar im Herbst 1970 auf 1,30 Dollar im November vergangenen Jahres. Die Spekulanten hatten nicht mit den gehorteten Silber der Industrie gerechnet, durch deren Käufe in der Vergangenheit die Preise gestiegen waren.

Bis heute ist unbekannt geblieben, wie groß die Silbervorräte in den Safes der photochemischen Industrie sind. Die Filmhersteller sind ein Hauptabnehmer des angebotenen Silbers. Zudem teilte die amerikanische Bergbaubehörde (Bureau of Mines) mit, daß der Verbrauch von Silber in den USA zwischen 1966 und 1971 um rund 25 Prozent zurückgegangen sei. Silber würde in zahlreichen Verwendungsbereichen durch Ersatzstoffe abgelöst.

Dennoch, Tatsache ist, daß jährlich etwa 300 Millionen Unzen (einschließlich der Produktion der Sowjetunion) gewonnen werden. Der Jahresbedarf (ohne die kommunistischen Länder) liegt aber bereits bei über 400 Millionen Unzen. Diese Versorgungslücke, so argumentieren die Experten, könne aus den Vorräten der Industrie und privatim Besitz nicht beliebig lange geschlossen werden. Früher oder später gäbe es für den Silberpreis nur eine Richtung: nach oben. jfr